Mindestunterhalt 2021 – Unterhalt für minderjährige Kinder

Hände Eltern und Kind mit Geld

Die Unterhaltspflicht für Kinder erstreckt sich im besonderen Maße auf Minderjährige, daher ist nach § 1612a BGB ein Mindestunterhalt für minderjährige Kinder vorgesehen. Der Kindesunterhalt richtet sich nach dem Freibetrag für das sächliche Existenzminimum eines Kindes m Sinne des Steuerrechts gemäß § 32 Abs. 6 EStG.

Das Wichtigste in Kürze

Wie hoch ist der gesetzliche Mindestunterhalt?

Die Höhe des Mindestunterhalts ist vom Alter des Kindes abhängig. Im Jahr 2021 liegt er für 0- bis 5-Jährige bei 393 Euro. Für 6- bis 11-Jährige sind mindestens 451 Euro zu zahlen und für 12- bis 17-jährige Kinder 528 Euro. Um die tatsächlichen Zahlbeträge zu erhalten ist von diesen Beträgen das halbe Kindergeld abzuziehen.

Wie berechnet sich der Mindestunterhalt?

Der Mindestunterhalt wird anhand des steuerfreien sächlichen Existenzminimums eines Kindes im jeweiligen Jahr und der Mindestunterhaltsverordnung gem. § 1612 A ABS. 1 BGB berechnet.

Wann Mindestunterhalt?

Mindestunterhalt ist zu zahlen, wenn das monatliche Netto-Einkommen des Unterhaltspflichtigen weniger als 1.901 € beträgt. Die Zahlungspflicht ist dabei abhängig von der Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen.

Erhöhung des Mindestunterhalts 2021

Am 03. November 2020 wurde durch den Justizminister die Dritte Verordnung zur Änderung der Mindestunterhaltsverordnung erlassen (BGBl. 2020, Teil I Nr. 51, S. 2344). 

Damit ergeben sich seit dem 01.01.2021 höhere Beträge für den Mindestunterhalt, welche in den nachfolgenden Tabellen zu finden sind.

DazuMehr Geld für Kinder: Unterhalt steigt deutlicher als erwartet

Sächliches Existenzminimum als Grundlage

Der Mindestunterhalt orientiert sich an dem steuerfrei zu stellenden sächlichen Existenzminimum eines Kindes im jeweiligen Jahr. Im Jahr 2021 beträgt dies jährlich 5.412 Euro, monatlich 451 Euro.

Dieser Betrag ist die Bezugsgröße beim Mindestunterhalt für die 2. Altersstufe der Düsseldorfer Tabelle. Im Allgemeinen richtet sich der Kindesunterhalt nach den Bedarfsbeträgen der Düsseldorfer Tabelle, die letztmalig zum 01.01.2021 aktualisiert wurde.

Mit dem sächlichen Existenzminimum bzw. Bedarf sind die Beträge gemeint, die erforderlich sind, um die finanzielle Versorgung eines Kindes in Form des Kindesunterhalts sicherzustellen. Das sächliche Existenzminimum richtet sich nach dem vom Sozialhilferecht anerkannten Mindestbedarf. Der Mindestbedarf wird von der Bundesregierung alle 2 Jahre ermittelt und bildet dann die Grundlage für die steuerlichen Freibeträge.

Die aktuelle Unterhaltstabelle und Hinweise zur Anrechnung des Kindergeldes etc. finden Sie unter Düsseldorfer Tabelle.

Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt möglich

Ist der Unterhaltspflichtige nicht leistungsfähig, weshalb er den Kindesunterhalt nicht aufbringen kann, so besteht die Möglichkeit, für minderjährige Kinder den Unterhaltsvorschuss nach dem Unterhaltsvorschussgesetz (UVG) beim Jugendamt zu beantragen, der dem Mindestunterhalt entspricht. Mittlerweile wird der Unterhaltsvorschuss bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres gezahlt, sofern Bedarf besteht.

Weiterführende Informationen zum Unterhaltsvorschuss unter Unterhaltsvorschuss durch das Jugendamt.

Höhe des Mindestunterhalts nach Altersstufen

seit 01.01.2021

ALTERSSTUFEBERECHNUNG NACH § 1612 A ABS. 1 BGBMINDESTUNTERHALT
1. (0 – 5 Jahre)
2.706 x 2 : 12 x 87%393 €
1. (0 – 5 Jahre)2.706 x 2 : 12 x 100%451 €
3. (12 – 17 Jahre)
2.706 x 2 : 12 x 117%528 €

bis 31.12.2020

ALTERSSTUFEBERECHNUNG NACH § 1612 A ABS. 1 BGBMINDESTUNTERHALT
1. (0 – 5 Jahre)2.544 € x 2 : 12 x 87%369 €
2. (6 – 11 Jahre)2.544 € x 2 : 12 x 100%424 €
3. (12 – 17 Jahre)2.544 € x 2 : 12 x 117%497 €

ab 01.01.2019

ALTERSSTUFEBERECHNUNG NACH § 1612 A ABS. 1 BGBMINDESTUNTERHALT
1. (0 – 5 Jahre)2.436 € x 2 : 12 x 87%354 €
2. (6 – 11 Jahre)2.436 € x 2 : 12 x 100%406 €
3. (12 – 17 Jahre)2.436 € x 2 : 12 x 117%476 €

Zahlbeträge für den Mindestunterhalt 2021 (2020/2019)

Nach Abzug des halben Kindergeldes ergeben sich die nachfolgenden Mindestsätze für den Kindesunterhalt.

Achtung: zum 01.01.2021 und zum 01.07.2019 wurde das Kindergeld angehoben.

seit dem 01.01.2021

ALTERSSTUFEBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR ERSTE UND ZWEITE KINDERBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR DRITTE KINDERBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR VIERTE KINDER
1. (0 – 5 Jahre)393 € – 109,50 € = 283,50 €393 € – 112,50 € = 280,50 €393 € – 125 € = 268 €
2. (6 – 11 Jahre)451 € – 109,50 € = 341,50 €451 € – 112,50 € = 338,50 €451 € – 125 € = 326 €
3. (12 – 17 Jahre)528 € – 109,50 € = 418,50 €528 € – 112,50 € = 415,50 €528 € – 125 € = 403 €

ab 01.01.2020

ALTERSSTUFEBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR ERSTE UND ZWEITE KINDERBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR DRITTE KINDERBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR VIERTE KINDER
1. (0 – 5 Jahre)369 € – 102 € = 267 €369 € – 105 € = 264 €369 € – 112,50 € = 256,50 €
2. (6 – 11 Jahre)424 € – 102 € = 322 €424 € – 105 € = 319 €424 € – 112,50 € = 311,50 €
3. (12 – 17 Jahre)497 € – 102 € = 395 €497 € – 105 € = 392 €497 € – 112,50 € = 384,50 €

ab 01.07.2019

ALTERSSTUFEBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR ERSTE UND ZWEITE KINDERBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR DRITTE KINDERBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR VIERTE KINDER
1. (0 – 5 Jahre)354 € – 102 € = 252 €354 € – 105 € = 249 €354 € – 112,50 € = 236,50 €
2. (6 – 11 Jahre)406 € – 102 € = 304 €406 € – 105 € = 301 €406 € – 112,50 € = 288,50 €
3. (12 – 17 Jahre)476 € – 102 € = 374 €476 € – 105 € = 371 €476 € – 112,50 € = 358,50 €

ab 01.01.2019

ALTERSSTUFEBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR ERSTE UND ZWEITE KINDERBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR DRITTE KINDERBEI 100%IGEM MINDESTUNTERHALT FÜR VIERTE KINDER
1. (0 – 5 Jahre)354 € – 97 € = 257 €354 € – 100 € = 254 €354 € – 112,50 € = 241,50 €
2. (6 – 11 Jahre)406 € – 97 € = 309 €406 € – 100 € = 306 €406 € – 112,50 € = 293,50 €
3. (12 – 17 Jahre)476 € – 97 € = 379 €476 € – 100 € = 376 €476 € – 112,50 € = 363,50 €

Entsprechende Beträge können Sie auch mit unserem Unterhaltsrechner ermitteln.

Selbstbehalt beim Mindestunterhalt des Unterhaltspflichtigen

Die Festlegung für den gesetzlichen Mindestsatz im Kindesunterhalt bedeutet nicht, dass der Unterhaltspflichtige auch in dieser Höhe auf jeden Fall zur Zahlung des Kindesunterhalt verpflichtet ist. Seine Zahlungspflicht ist vielmehr abhängig von seiner Leistungsfähigkeit.

In diesem Zusammenhang hat als notwendiger Selbstbehalt die Sicherung seines eigenen Existenzminimums Vorrang vor allen Unterhaltsverpflichtungen anderen Personen gegenüber.

Der Selbstbehalt im Zusammenhang mit Mindestunterhalt für minderjährige Kinder bzw. Unterhalt gegenüber Volljährigen, unverheirateten Kindern, bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, die im Haushalt eines Elternteils leben und sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden (sog. privilegierte Volljährige) liegt für den erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen bei monatlich 1.160 € und für den nichterwerbstätigen Unterhaltspflichtigen bei 960 € monatlich.

Umfassende Informationen zu diesem Thema unter Selbstbehalt.

Beweispflicht des Unterhaltspflichtigen beim Mindestunterhalt

Für den Fall, dass der Unterhaltspflichtige behaupten sollte, Mindestunterhalt aus Gründen mangelnder Leistungsfähigkeit nicht zahlen zu können, ist er hierfür beweispflichtig!

Der Gesetzgeber stellt hohe Anforderungen an den Unterhaltspflichtigen. Dieser hat sich mit allen in seiner Macht stehenden Kräften um Leistungsfähigkeit zu bemühen, um den Kindesunterhalt erfüllen zu können und muss gegebenenfalls neben seiner Haupterwerbstätigkeit eine zumutbare Nebentätigkeit ausüben, um sich im Unterhalt leistungsfähig zu machen.

Hintergrund ist, dass minderjährigen Kindern gegenüber eine gesteigerte Erwerbsobliegenheit bis zur Sicherstellung des Mindestunterhalts von dem Unterhaltspflichtigen abverlangt werden kann!

Unter Umständen ist der Unterhaltspflichtige gehalten, neben seiner Erwerbstätigkeit eine Nebenbeschäftigung aufzunehmen oder seine selbständige (unlukrative) Tätigkeit zugunsten eines Angestelltenverhältnisses für den Fall aufzugeben, dass die tatsächlichen Einkünfte zur Deckung des Kindesunterhalt nicht ausreichen sollten.

Wie wird der Kindesunterhalt berechnet?

Wie bereits beim Mindestunterhalt erwähnt, richtet sich der Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle, welche in regelmäßigen Abständen vom OLG Düsseldorf herausgegeben wird. Die letzte Anpassung fand zum 01.01.2021 statt.

Erstmalig seit den Anpassungen 2010 wurden mit der Aktualisierung der Tabelle zum 01. August 2015 neben dem Bedarfskontrollbetrag auch die Bedarfe für Minderjährige erhöht. Dies ist mit der Anhebung des Grundfreibetrags, des Kindergeldes sowie des Kinderzuschlags – die rückwirkend zum 01.01.2015 erfolgten – nötig geworden. In 2018 wurden die Bedarfskontrollbeträge jedoch nicht erneut angepasst, stattdessen gab es eine Verschiebung in den Einkommensgruppen.

Alle wichtigen Informationen zum Bedarfskontrollbetrag sind unter Bedarfskontrollbetrag in der Düsseldorfer Tabelle nachzulesen.

Neben der Düsseldorfer Tabelle sind das unterhaltsrechtlich relevante Nettoeinkommen (bereinigtes Nettoeinkommen) des Unterhaltsschuldners sowie das Alter des Kindes ausschlaggebend. Aus diesen lassen sich dann die Zahlenwerte der Unterhaltstabelle ermitteln.

Unter Unterhaltsrechtliches Einkommen können Sie im Detail nachlesen, welches Einkommen relevant ist, wie angerechnet wird und welche Sozialleistungen zu berücksichtigen sind.

Letzte Aktualisierung: 05.11.2021

Titelbild: Syda Productions / shutterstock.com