Im Zuge einer Scheidung müssen verschiedene Scheidungsfolgesachen geregelt werden. Wenn ein Ehepaar im Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebt, findet bei Scheidung ein Zugewinnausgleich statt. Für die Berechnung des Zugewinns ist das Anfangsvermögen und das Endvermögen beider Partner maßgeblich. Alles Wichtige rund um die Berechnung des Zugewinnausgleiches finden Sie hier im Ratgeber.

Die Berechnung des Zugewinnausgleiches bei Scheidung geschieht, indem das Anfangsvermögen und das Endvermögen je Partner verglichen und die berechnete Differenz (also der Zugewinn) geteilt wird. Hat ein Partner in der Zugewinngemeinschaft zum Beispiel einen geringeren Zugewinn als der andere, dann hat er Anspruch auf die Hälfte der Differenz des Zugewinns seines Partners.

Was umfasst der Zugewinn?

Alles, was beide Partner einzeln innerhalb der Ehe erwirtschaften, wird als Zugewinn bezeichnet.
Gemeinsame Vermögenswerte wie ein Haus, werden im Zugewinn anteilig auf beide Partner gerechnet.

Der Zugewinn kann Folgendes umfassen:  

  • Barvermögen
  • Immobilien
  • Wertpapiere
  • Lottogewinn

Folgendes fällt nicht in die Zugewinnberechnung:

  • Hausrat (Aufteilung nach Hausratsverordnung)
  • Altersvorsoge (Renten, Lebensversicherung etc.): Versorgungsausgleichsverfahren
Kein negativer Zugewinn: Bestehen mehr Schulden am Ende einer Ehe als bei der Heirat? Dann wird der Zugewinn auf null gesetzt. Es gibt nämlich keinen negativen Zugewinn.

(Negatives) Anfangsvermögen (§ 1374 BGB)

Für den Zugewinnausgleich ist das Anfangs- und Endvermögen der Ehepartner ausschlaggebend.

Maßgeblich für das Anfangsvermögen ist der Tag der Eheschließung vor dem Standesbeamten. Schulden werden tatsächlich hinzugerechnet, womit ein negatives Anfangsvermögen möglich ist.

Es ist jedoch wichtig, dass eine Indexierung des Anfangsvermögens vorgenommen wird. Aufgrund von Inflation etc. ist das Geld nicht mehr so viel Wert wie vor noch einigen Jahren. Mithilfe einer Formel lässt sich die Indexierung durchführen, wobei die Preissteigerungsraten des statistischen Bundesamtes miteinbezogen werden.

Ebenso ist es möglich Verbindlichkeiten über die Höhe des Positivvermögens hinaus (negatives Anfangsvermögen) abzusetzen.

Beispielrechnungen zum Zugewinnausgleich

Der Ehemann war bereits vor Eheschließung selbständig tätig und hat daraus Verbindlichkeiten (Schulden) i.H.v. 50.000 Euro. Während der Ehezeit tilgt der Ehemann seine Verbindlichkeiten i.H.v. 50.000 Euro und erwirtschaftet ein Endvermögen bei Scheidung der Ehe i.H.v. 100.000 Euro.

Die Ehefrau hatte bei Eheschließung weder Schulden noch Vermögen. Auch die Ehefrau erwirtschaftet ein Endvermögen i.H.v. 50.000 Euro.

Vermögen Ehefrau Ehemann Bemerkungen
Anfangsvermögen 0,00 Euro -50.000 Euro Schulden werden bei der Ermittlung des Anfangsvermögens berücksichtigt.
Vermögenszuwachs 50.000 Euro 100.000 Euro Differenz beträgt 50.000 Euro.
Zugewinnausgleich +25.000 Euro -25.000 Euro Ehemann muss Ehefrau die Hälfte der Differenz des Zuwachses ausgleichen.
Endvermögen 75.000 Euro 75.000 Euro

Daraus ergibt sich zugunsten der Ehefrau ein Zugewinnausgleich i.H.v. (100.000 Euro Mann – 50.000 Euro Frau = 50.000 Euro Differenz: 2=) in Höhe von 25.000 Euro.

Die Frau hat einen Anspruch auf Zahlung eines Zugewinns von 25.000 Euro.

(Negatives) Endvermögen (§1375 BGB)

Maßgeblich für das Endvermögen ist der Tag, an welchem einer den Scheidungsantrag gestellt hat.

Um im Zugewinn einem gerechteren Vermögensausgleich näher zu kommen, wurde die Anrechenbarkeit von negativem Vermögen nicht nur auf das Anfangsvermögen beschränkt, sondern auch auf das Endvermögen ausgedehnt. Somit werden auch im Endvermögen Verbindlichkeiten in voller Höhe abgezogen.

Zur Verdeutlichung folgt nachfolgende Beispielrechnung:

Bei Eheschließung kann der Mann Schulden von 50.000 Euro vorweisen. Es gelingt ihm zum Ende der Ehe diese Schulden um 25.000 Euro abzubauen. Er bleibt aber i.H.v. 25.000 Euro weiterhin verschuldet.

Die Frau hat zu Beginn der Ehe keine Schulden und auch kein Vermögen. Am Ende der Ehezeit beträgt ihr Endvermögen 50.000 Euro.

Der Abbau der Schulden um 25.000 Euro wird voll als wirtschaftlicher Zugewinn gewertet und mindert durch dessen Anrechnung den dem Mann zustehenden Zugewinn entsprechend. Dies bedeutet, dass die erwirtschafteten 25.000 Euro des Mannes dem Zugewinn der Frau mit 50.000 Euro gegenüber gestellt werden mit der Folge, dass der Zugewinnausgleichsanspruch des Mannes sich reduziert auf 12.500 Euro!

Vermögen Ehefrau Ehemann Bemerkungen
Anfangsvermögen 0,00 Euro -50.000 Euro Schulden werden bei der Ermittlung des Anfangsvermögens berücksichtigt.
Vermögenszuwachs 50.000 Euro 25.000 Euro Der Abbau der 25.000 Euro Schulden des Mannes werden als voller Zugewinn behandelt und dem Zugewinn ohne Anrechnung der restlichen Schulden gegenübergestellt. Die Differenz zwischen beiden Zugewinnen beträgt rein rechnerisch also 25.000 Euro.
Zugewinnausgleich -12.500 Euro +12.500 Euro Ehefrau muss Ehemann die Hälfte der Differenz des Zuwachses ausgleichen.
Endvermögen 37.500 Euro -12.500 Euro Der Ehemann hatte ursprünglich -50.000 Euro Schulden. Davon hat er 25.000 Euro abgebaut. Es verbleiben -25.000 Euro Schulden. Durch den Zugewinnausgleich von 12.500 Euro würden lediglich
-12.500 Euro Schulden bleiben.

Es werden also auch die Fallkonstellationen erfasst, in denen ein Ehegatte, der verschuldet in die Ehe geht, diese Schulden zwar reduzieren, aber nicht ins Positivvermögen bringen kann. Gleichwohl steht er bei wirtschaftlicher Betrachtung besser da als zu Beginn der Ehe. Ohne Berücksichtigung dieses Umstandes wäre der „unverschuldete“ Ehegatte im Rahmen des bei der Scheidung zu zahlenden Zugewinnausgleichs unangemessen benachteiligt.

Was geschieht im Zugewinnausgleich mit Haus in Alleineigentum?

Bei einer Scheidung fürchten alleinige Hauseigentümer durch den Zugewinnausgleich nicht selten um ihre Immobilie. Die Sorge darum ist nicht ganz unbegründet, wenn die Ehegatten in einer Zugewinngemeinschaft lebten.

Sofern nichts Weiteres schriftlich festgehalten ist, wird der Zugewinnausgleich bei Scheidung in Form einer Geldforderung ausgezahlt. Hier wird das Anfangsvermögen inklusive Erbschaften (welche dem Anfangsvermögen zugerechnet werden) mit dem Endvermögen verglichen und die Differenz berechnet.

Hat ein Ehepartner bereits ein Haus mit in die Ehe gebracht, wird dieses dem Anfangsvermögen zugerechnet. Sollte er aber erst nach der Heirat in das Grundbuch einer Immobilie als Alleineigentümer eingetragen werden, dann gilt das Haus als Zugewinn des Mannes und fällt somit in die Zugewinnausgleich Berechnung.

Beispielrechnung:

Vermögen Ehefrau Ehemann Bemerkungen
Anfangsvermögen 0,00 Euro 0,00
Euro
Ehegatten bringen kein Vermögen mit in die Ehe.
Vermögenszuwachs 0,00 Euro 300.000
Euro
Der Ehemann wurde nach der Heirat im Grundbuch des Hauses als alleiniger Eigentümer eingetragen. Die abgezahlte Immobilie hat einen Wert von 300.000 Euro und zählt nun zum Zugewinn des Mannes.
Zugewinnausgleich +150.000 Euro -150.000 Euro Ehemann muss Ehefrau die Hälfte der Differenz des Zuwachses ausgleichen.
Endvermögen +150.000 +150.000

In der oberen Rechnung muss der Ehemann der Ehefrau einen finanziellen Ausgleich von 150.000 Euro zahlen. In diesem Falle ist es durchaus möglich, dass der Mann gezwungen ist die Immobilie zu verkaufen, um den Zugewinnausgleich bei Scheidung zahlen zu können.

Auskunftsanspruch nach § 1379 BGB

Nicht selten sind die Vermögensverhältnisse beider Ehegatten unübersichtlich. Es besteht aber tatsächlich eine Auskunftspflicht sowohl über das End- als auch das Anfangsvermögen gegenüber dem Ehegatten. Dadurch wird von Anfang an offengelegt, ob und inwieweit bei dem gegnerischen Ehegatten negatives Anfangsvermögen vorhanden ist und der Zugewinnausgleich kann zu einem früheren Zeitpunkt konkretisiert werden.

Belegpflicht: Darüber hinaus kann von dem gegnerischen Ehegatten für die Berechnung des Zugewinnausgleiches auch verlangt werden, die Auskünfte nachzuweisen durch Vorlage geeigneter, nachvollziehbarer Belege.

Die Belegpflicht darf jedoch nicht missverstanden werden. Denn: die Verpflichtung geht nur so weit, wie Belege auch tatsächlich noch vorhanden sind. Kaum jemand wird Belege länger als 10 oder 20 Jahre aufbewahren. Eine anderweitige Erwartungshaltung wäre doch etwas lebensfremd.

Sollte Streit über irgendwelche Wertigkeiten entstehen, weil Belege nicht mehr vorhanden sind, wird der Wert zu schätzen sein oder die Angelegenheit wird durch Einholung eines Sachverständigen-Gutachtens geklärt. Dies war auch schon in der Vergangenheit gängige Praxis.

Vorzeitiger Zugewinnausgleich

Im Normalfall wird der Zugewinnausgleich am Ende einer Ehe „fällig“. Jedoch ist ein vorzeitiger Zugewinnausgleich des ausgleichsberechtigten Ehegatten bei vorzeitiger Aufhebung der Zugewinngemeinschaft (§ 1385) ebenso möglich. Wenn einer der folgenden Punkte zutrifft, kann die Auflösung der Zugewinngemeinschaft und ein vorzeitiger Zugewinnausgleich beantragt werden.

Mindestens einer der folgenden Punkte muss für einen vorzeitigen Zugewinnausgleich erfüllt sein:

  • Die Ehegatten leben seit mindestens drei Jahren getrennt.
  • Der andere Ehegatte hat ohne Einwilligung seines Partners über größeres Vermögen verfügt oder ist sehr verschwenderisch mit seinem eigenen Vermögen umgegangen, womit er das Endvermögen und im selben Zuge auch den Zugewinnausgleich schmälert.
  • Der andere Ehegatte kommt seit längerer Zeit seinen wirtschaftlichen Verpflichtungen nicht nach.
  • Der andere Ehegatte weigert sich, Auskunft über sein Vermögen zu geben – trotz geltender Auskunftspflicht.

Sollte der Antrag auf Auflösung der Zugewinngemeinschaft und auf vorzeitigen Zugewinnausgleich akzeptiert werden, greift zukünftig der Güterstand der Gütertrennung.

Verjährung des Zugewinnausgleiches

Der Anspruch auf Zugewinnausgleich verjährt drei Jahre nach einer Scheidung. Aus diesem Grund sollte der Anspruch innerhalb der drei jährigen Frist geltend gemacht werden!