Wechselmodell - UnterhaltGetrennte Eltern stehen meist vor der Herausforderung, die Betreuung des Kindes möglichst gerecht zu regeln. Und das ist nicht immer einfach, immerhin soll es dem Kind trotz der Trennung der Eltern gut gehen und an Nichts fehlen. Was wäre also die beste Entscheidung? Soll das gemeinsame Kind bei Mama oder doch lieber bei Papa leben? Wenn sich die Elternteile noch gut verstehen und räumlich nicht weit voneinander entfernt leben, wäre die Fürsorge und Betreuung nach dem „Wechselmodell“ interessant. Hier teilen sich Mutter und Vater die Betreuung des Kindes zu gleichem Anteil. Aber wer komm dann in welcher Höhe für den Kindesunterhalt auf?

Was ist das Wechselmodell?

Beim Wechselmodell, auch Paritätsmodell genannt (aus dem lateinischen „paritas“, zu deutsch „Gleichheit), teilen sich getrennt lebenden Eltern die Fürsorge und Betreuung des gemeinsamen Kindes zu gleichen Teilen. Mutter und Vater bieten dem Kind nach diesem Modell ein Zuhause, in dem sich das Kind abwechselnd zu gleichen Teilen aufhält. Dies hat den Vorteil, dass sich das Kind von keinem der beiden Elternteile entfremdet, da es sich regelmäßig bei Mutter und Vater aufhält und somit auch bei beiden den Lebensmittelpunkt hat.

Dennoch ist das Wechselmodell in Deutschland noch relativ unbekannt und nicht weit verbreitet. Die Regel ist das sogenannte „Residenzmodell“, bei dem das Kind fest bei einem Elternteil aufwächst und das andere Elternteil lediglich besucht. Der Kindesunterhalt in Form des Barunterhalts wird in diesem Modell von dem Elternteil gezahlt, bei dem das Kind nicht lebt.

Im Paritätsmodell lebt das Kind jedoch bei Mutter und Vater zu gleichen Teilen, sodass auch der Kindesunterhalt von beiden geleistet wird.

Kindesunterhalt im Wechselmodell

Im „Normalfall“ (konventionelles Residenzmodell) gilt: Derjenige Elternteil, bei dem das Kind nicht untergebracht ist, muss abzüglich der Hälfte des Kindergeldes (bei Minderjährigen) einen vollen Barunterhalt, in der Regel nach Düsseldorfer Tabelle, zahlen. So kommt ein Elternteil für den Barunterhalt und das andere Elternteil für den Naturalunterhalt in Form von Kost und Logis auf.

Im Wechselmodell aber teilen sich Mutter und Vater die Betreuung des Kindes zu gleichen Teilen, sodass auch der Barunterhalt auf beide Eltern aufgeteilt werden muss. (Beschluss vom 05.11.14, BGH Az. XII ZB 599/13)

Höhe des Unterhalts abhängig vom Einkommen

Dennoch: Wenn Mutter und Vater über ein stark unterschiedliches Einkommen verfügen, zahlt derjenige mit dem höheren Einkommen auch mehr als der andere. Auch wenn die für das Kind aufgebrachte Zeit durch beide Elternteile in etwa gleich hoch ist. Weitere Informationen hierzu am Ende des Artikels in den Beispielen.

Wechselmodell Voraussetzungen- Wann und wie funktioniert es?

Gleich vorab das Wichtigste: Da Mutter und Vater aufgrund des regelmäßigen Wechsels von einem zum anderen Elternteil regelmäßig im Sinne des Kindes miteinander kommunizieren, ist es unerlässlich, dass sich die Eltern miteinander verstehen und keine Konflikte vor dem Kind ausgetragen werden.

Darüber hinaus sollten beide Elternteile in der Lage sein, sich um das Kind zu kümmern (siehe auch Sorgerecht – Elterliche Fürsorge) – und zwar im notwendigen Zeitumfang und mit den nötigen Beziehungs-, Betreuungs- und Förderkompetenzen. Dass sich in dem jeweiligen Wohnraum von Mutter und Vater auch ein kindgerechtes Zimmer für das Kind befinden muss, dürfte selbstverständlich sein.

Damit sich das Kind zu jeder Zeit in seinem gewohnten sozialen Umfeld aufhalten und mit seinen Freunden Zeit verbringen kann, sollten die Wohnsitze von Mutter und Vater nur geringfügig voneinander entfernt sein. Sachverständige und Richter fordern dies sogar für das Paritätsmodell ein. In Ausnahmefällen wurde dieses Modell jedoch auch schon bei Eltern vereinbart, die weiter voneinander entfernt leben – vorausgesetzt, das Kind kann problemlos in seine Schule gehen.

Generell sollten folgende Bedingungen für das Wechselmodell erfüllt werden:

  • Die Eltern können verlässlich im Sinne des Kindes miteinander kommunizieren
  • Mutter und Vater respektieren die Regeln und Gewohnheiten des jeweils anderen Elternteiles und spielen sich nicht gegeneinander aus
  • Das Kind hat eine sichere und gute Bindung zu Mutter und Vater

Und: Das Kindeswohl steht immer im Vordergrund! Beide Elternteile haben dafür Sorge zu tragen, dass es dem Kind gut geht und die bekannten und gewohnten Routinen im Alltag des Kindes umgesetzt werden.

Wechselintervalle: Morgens bei Mama und Abends bei Papa?

Im Wechselmodell gibt es keine starren Vorschriften, wann und wie der Wechsel des Kindesaufenthaltes verlaufen muss. Wichtig ist lediglich, dass das Kind mit beiden Elternteilen Freizeit und Alltag verbringt. Dies ist auch der größte Unterschied zum Residenzmodell, bei dem das Kind fest bei einem Elternteil lebt und das andere Elternteil lediglich – beispielsweise am Wochenende – besucht.

Daher können sich die Eltern die Wechselintervalle so legen, wie es ihnen, vor allem aber dem Kind, am besten passt. Häufig entscheiden sich Eltern für einen Wechsel in kurzen Intervallen von zwei bis fünf Tagen. Recht weit verbreitet ist auch der wöchentliche Wechsel, bei dem das Kind eine Woche lang bei der Mutter und die darauffolgende Woche beim Vater lebt.

Der Wechsel kann aber auch täglich stattfinden: Das Kind verlässt morgens das Haus der Mutter und geht in die Schule, nach dem Unterricht kehrt es dann ins Haus des Vaters ein.

Kindergeldanspruch beim Wechselmodell

Im Paritätsmodell lebt das Kind bei Mutter und Vater, sodass beide Elternteile ihrer Betreuungs- und Unterhaltspflicht nachkommen. Daraus ergibt sich der Anspruch des Kindes, dass das Kindergeld auch bei beiden Elternteilen zur Verfügung steht. Hier müssen sich die Eltern untereinander abstimmen, an wen das Kindergeld ausgezahlt wird – Im Regelfall das Elternteil, bei dem das Kind gemeldet ist.

Kann das Wechselmodell auch gerichtlich angeordnet werden?

Das Kindeswohl steht immer an erster Stelle. Daher kann das Wechselmodell auch von einem Gericht bestimmt werden, wenn es dem Wohle des Kindes dient – selbst, wenn sich einer der Elternteile dagegen ausspricht.

Dies war jedoch nicht immer so. Noch bis zum Frühjahr 2017 war das Einverständnis beider Elternteile für das Paritätsmodell zwingend erforderlich.

Am 01. Februar 2017 hat der Bundesgerichtshof das Wechselmodell erstmals gestärkt und im Beschluss (Az. XII ZB 601/15) entschieden, dass ein Familiengericht auf Antrag eines Elternteils auch gegen den Willen des anderen Elternteils das Paritätsmodell anordnen kann. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die geteilte Betreuung durch beide Eltern im Vergleich mit anderen Betreuungsmodellen dem Kindeswohl im konkreten Fall am besten entspricht.

Berechnungsbeispiel für den Unterhalt im Wechselmodell

In unserem Beispiel teilen sich Vater und Mutter die Betreuung des 4-jährigen Kindes exakt zu 50%. Das volle Kindergeld in Höhe von 194 Euro wird von der Familienkasse an die Mutter ausgezahlt.

Monatlich anfallende Kosten für das Kind:

  • Kindergartenkosten: 250 Euro
  • Mehrkosten aufgrund des Wechselmodells (Kinderzimmer in beiden Wohnungen, höhere Fahrtkosten für beide Elternteile durch den Wechselintervall)
Info: Der in der Düsseldorfer Tabelle benannte Betrag kann um die Höhe der Mehrkosten des Wechselmodells angepasst werden.

Einkommen der Eltern und Tabellenunterhalt:

  • Nettoeinkommen des Vaters: 3.000 Euro
  • Nettoeinkommen der Mutter: 1.800 Euro
  • unterhaltsrelevantes Gesamteinkommen beider Elternteile: 4.800 Euro Netto

Laut Düsseldorfer Tabelle (9. Einkommensgruppe, 1. Altersstufe) ergibt sich so ein monatlicher Unterhaltsbedarf (Tabellenunterhalt) von 529 Euro.

Zusatzkosten aufgrund des Wechselmodells

  • 60 Euro Wohnkosten des Vaters
  • 40 Euro Wohnkosten der Mutter
  • 50 Euro Fahrtkosten

Dadurch ergeben sich Mehrkosten i. H. v. 150 Euro monatlich.

Gesamtbedarf des Kindes:

  • 529 Euro Zahlbetrag für den Kindesunterhalt
  • 150 Euro Mehrkosten aufgrund Wechselmodell
  • 250 Euro Kindergartengebühren

= 929 Euro monatlicher Gesamtbedarf des Kindes

Aufteilung des Kindesunterhalts

Der Gesamtbedarf des Kindes, in unserem Beispiel 929 Euro monatlich, wird zu gleichen Teilen auf die Eltern aufgeteilt. Da der Vater in unserem Beispiel aber mehr verdient als die Mutter, beträgt sein Anteil am Kindesunterhalts entsprechend seiner Leistungsfähigkeit mehr.

Info:
Der Selbstbehalt/ angemessene Eigenbedarf des Unterhaltspflichtigen wird auch im Wechselmodell angewandt. Der angemessene Eigenbedarf beträgt bei erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen 1.080 Euro monatlich.
  • Einkommen des Vaters: 3.000 Euro – 1.080 Euro angemessener Eigenbedarf = 1.920 Euro
  • Einkommen der Mutter: 1.800 Euro – 1.080 Euro angemessener Eigenbedarf = 720 Euro

In der Summe verfügen die beiden Elternteile nach Abzug des Selbstbehalts über ein Nettoeinkommen von 2.640 Euro, wovon eine Haftungsquote von 73 Prozent auf den Vater und 27 Prozent auf die Mutter entfallen.

Anteil des Vaters am Gesamtbedarf sind 73 Prozent = 678,17 Euro 
Anteil der Mutter am Gesamtbedarf sind 27 Prozent = 250,83 Euro

Abzug des Kindergeldes

Wir gehen bei diesem Beispiel davon aus, dass das volle Kindergeld an die Mutter ausgezahlt wird, daher müssen die Anteile entsprechend korrigiert werden. Beim Vater wird das halbe Kindergeld (194 Euro / 2 = 97 Euro) abgezogen und bei der Mutter hinzugerechnet, so dass sich schlussendlich für den Vater ein Haftungsanteil von 581,17 Euro und für die Mutter 347,38 Euro ergibt.