Der Selbstbehalt bei Elternunterhalt ist der Betrag, der dem Unterhaltspflichtigen zusteht, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Niemand soll aufgrund von Unterhaltszahlungen selbst in finanzielle Not geraten. Der Selbstbehalt wird vom bereinigten Nettoeinkommen abgerechnet und kann somit nicht für Unterhaltszahlungen in Anspruch genommen werden. Der abgerechnete Betrag bleibt somit von Unterhaltsforderungen unangetastet.

Selbstbehalt bei Elternunterhalt

Die „Düsseldorfer Tabelle“ setzt die Maßstäbe für die Höhe des Selbstbehaltes beim Elternunterhalt. Unter dem Punkt D. Verwandtenunterhalt und Unterhalt nach § 1615 l BGB findet sich die Erläuterung zu den zugesprochenen Selbstbehalten.

Es wird zwischen Selbstbehalt für Alleinstehenden und Familien (Ehepaaren) unterschieden. Die Berechnungsgrundlage für Elternunterhalt ist das bereinigte Nettoeinkommen.

Was ist das bereinigte Nettoeinkommen?

Dabei handelt es sich um Einkommen aus einer Beschäftigung (wozu auch Rentenleistungen, Unterhaltszahlungen und Kindergeld zählen), von welchem bereits alle Steuern, Sozialabgaben, Beiträge für Altersvorsorge und berufsbedingte Aufwendungen abgezogen sind.

Höhe Selbstbehalt bei alleinstehenden Kindern

Vom bereinigten Nettoeinkommen des Kindes wird nach der Düsseldorfer Tabelle bei Alleinstehenden ein Selbstbehalt von 1.800 Euro netto monatlich abgezogen.

Der Betrag beinhaltet unter anderem folgende Posten:

  • Beiträge für Hausrats- und Haftpflichtversicherungen
  • Rundfunkgebühren
  • Miete und Mietnebenkosten in Höhe von 480 Euro.

Wenn die tatsächlichen Miet- und Nebenkosten höher liegen, müssen diese nachgewiesen werden. Dann sind diese ebenfalls abziehbar. Darüber hinaus kommt noch 50 % des insgesamt darüber liegenden Nettoeinkommens pauschal zum Selbstbehalt hinzu.

Rechenbeispiel zum Selbstbehalt bei alleinstehenden Kindern

Bereinigtes Nettoeinkommen 3.200 Euro
–          Selbstbehalt 1.800 Euro
–          Pauschaler Abzug von 50 % 700 Euro
Maximaler Elternunterhalt (ohne Berücksichtigung von sonstigen Freibeträgen) 700 Euro (0,00 Euro ab 1.01.2020)

Erläuterung:

Ein Alleinstehender verdient 3.200 Euro netto monatlich. Davon wird ein Selbstbehalt von 1.800 Euro netto abgezogen: Es verbleiben 1.400 Euro, wovon die Hälfte (700 Euro) zusätzlich zum Selbstbehalt gerechnet wird. Somit verbleibt letztendlich maximal ein Elternunterhalt von 700 Euro netto monatlich.


+++ Änderung der Einkommensgrenze ab 1.01.2020 +++ 

Mit Einführung des Angehörigen-Entlastungsgesetz wird die Einkommensgrenze für Kinder von pflegebedürftigen Eltern auf 100.000 Euro hochgesetzt. Haben betroffene Kinder also ein geringeres jährliches Bruttoeinkommen als 100.000 Euro, besteht keine Zahlungsverpflichtung von Elternunterhalt. Kindern mit einem höheren Gehalt stehen weiterhin die genannten Selbstbehalte zu. 


Höhe Selbstbehalt bei verheirateten Kindern

Für Ehepaare liegt der erhöhte Selbstbehalt bei 3.240 Euro netto monatlich, welcher sich aus 1.800 Euro Selbstbehalt für das unterhaltspflichtige Kind und 1.440 Euro Selbstbehalt für den Ehegatten des Kindes zusammensetzt.

Der Betrag beinhaltet unter anderem folgende Posten:

  • Beiträge für Hausrats- und Haftpflichtversicherungen
  • Rundfunkgebühren
  • Miete und Mietnebenkosten in Höhe von 380 Euro.

Auch hier können höhere tatsächliche Miet- und Nebenkosten nachgewiesen werden, damit diese vollständig abzuziehen sind. Darüber hinaus kommt noch 45 % des insgesamt darüber liegenden Nettoeinkommens pauschal zum Selbstbehalt hinzu.

Wichtig: Unverheiratete Paare können den erhöhten Selbstbehalt nicht in Anspruch nehmen (BGH, Beschluss vom 9. März 2016, Az. XII ZB 693/14).

Rechenbeispiel zum Selbstbehalt bei verheirateten Kindern

Bereinigtes Nettoeinkommen 5.000 Euro
–          Selbstbehalt 3.240 Euro
–          Pauschaler Abzug von 45 % 792 Euro
Maximaler Elternunterhalt (ohne Berücksichtigung von sonstigen Freibeträgen) 968 Euro

Ein Ehepaar verdient zusammen 5.000 Euro netto monatlich. Davon wird ein Selbstbehalt von 3.240 Euro netto abgezogen: Es verbleiben 1.760 Euro, wovon 45 % (792 Euro) zusätzlich zum Selbstbehalt gerechnet wird. Somit verbleibt maximal ein Elternunterhalt von 968 Euro netto monatlich.


+++ Änderung der Einkommensgrenze ab 1.01.2020 – Ehegatten gehören nicht zu Begünstigten +++ 

Mit Einführung des Angehörigen-Entlastungsgesetz wird zwar die Einkommensgrenze für Kinder von pflegebedürftigen Eltern auf 100.000 Euro hochgesetzt, jedoch haften ihre Ehegatten weiterhin auch bei einem Einkommen unter dieser Grenze. 

Im FAQ zum Angehörigen-Entlastungsgesetz heißt es dazu: “Von einer Übertragung der neuen Regelung zum Unterhaltsrückgriff auch auf Ehegatten wird wegen deren besonderen gegenseitigen familiären Einstandspflicht (§ 27 Abs. 2 SGB XII) abgesehen.”


Höhe Selbstbehalt bei nichtehelichen Kindern

Der angemessene Selbstbehalt für ein nichteheliches Kind (§§ 1615 l, 1603 Abs. 1 BGB) beträgt 1.200 Euro.
Wobei es irrelevant ist, ob das unterhaltspflichtige uneheliche Kind erwerbstätig ist oder nicht.

Weiterführende Informationen zur Berechnung des Elternunterhaltes finden Sie auf unserer Seite Elternunterhalt Berechnung.