Für die Berechnung des Elternunterhaltes ist das bereinigte Nettoeinkommen die Grundlage. Davon werden Schonvermögen, Selbstbehalt und sonstige Freibeträge z.B. Beträge für Altersvorsorge abgezogen. Wie genau sie den Elternunterhalt berechnen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Vorgehen bei Berechnung Elternunterhalt

Als erstes werden alle Einkünfte aus nichtselbstständiger und selbstständiger Arbeit zusammengerechnet (je auf Basis des bereinigten Nettoeinkommens).

1. Durchschnittliches Einkommen berechnen

Bei Arbeitnehmern wird der Durchschnitt von zwölf Monaten vor Unterhaltsbedarf betrachtet.

Bei Selbstständigen fallen die durchschnittlichen Einkünfte der letzten 3-5 Jahre ins Gewicht.

Danach werden Schonvermögen und Selbstbehalt abgezogen.

Vermögen in Einkommen umrechnen

Wenn ein Unterhaltspflichtiges Kind Vermögen besitzt, welches den Betrag für das Schonvermögen übersteigt, muss die Differenz anteilig auf 12 Monate heruntergerechnet werden. In dem unteren Rechenbeispiel wird von einer fiktiven Höhe für das Schonvermögen ausgegangen, da es keine gesetzlichen Pauschalbeträge gibt. Vielmehr wird die Höhe immer individuell festgelegt.

Rechenbeispiel  
Ein Kind besitzt 200.000 Euro. Das Gericht schreibt ihm ein Schonvermögen von 75.000 Euro zu. Es verbleibt somit eine Differenz von 125.000 Euro, die für die Berechnung des Elternunterhaltes relevant ist.

Die 125.000 Euro werden durch 12 Monate geteilt, um einen monatlichen Kapitalwert zu erhalten:
125.000 Euro / 12 Monate = 968,99 Euro zu verbrauchendes Kapital bzw. „Einkommen“ pro Monat.

2. Abzug Schonvermögen

Das Schonvermögen betrifft bestimmte Vermögensgegenstände, welche aus der Berechnung des Elternunterhaltes ausgeschlossen werden. Unter Anderem betrifft es folgende Posten:

  • Unterhaltszahlungen an eigene Kinder
  • Raten für Kredite, Zins und Tilgungskosten (BGH, Beschluss vom 18. Januar 2017, Az. XII ZB 118/16)
  • Ausgaben für die private Altersvorsorge
  • berufsbedingte Aufwendungen
  • Krankenvorsorge / Krankenkassenbeiträge und krankheitsbedingte Aufwendungen
  • Zins und Tilgungskosten (BGH, Beschluss vom 18. Januar 2017, Az. XII ZB 118/16)
  • Kosten für Besuche bei Elternteil (BGH, Urteil vom 17. Oktober 2012, Az. XII ZR 17/11)

3. Abzug Selbstbehalt

Vom bereinigten Nettoeinkommen des Kindes wird nach der Düsseldorfer Tabelle bei Alleinstehenden mindestens ein Selbstbehalt von 1800 Euro netto monatlich abgezogen. Für Ehepaare liegt der erhöhte Selbstbehalt bei 3.240 Euro netto monatlich, welcher sich aus 1800 Euro Selbstbehalt für das unterhaltspflichtige Kind und 1440 Euro Selbstbehalt für den Ehegatten zusammensetzt. Darüber hinaus kommt noch die Hälfte des darüber liegenden Nettoeinkommens zum Selbstbehalt hinzu.

Der Selbstbehalt ist der Betrag, der dem Unterhaltspflichtigen zusteht, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Niemand soll aufgrund von Unterhaltszahlungen selbst in finanzielle Not geraten.

Bereits im Selbstbehalt enthalten und somit nicht abziehbar: 

  • Hausrats- und Haftpflichtversicherung
  • Rundfunkgebühren
  • Miete und Nebenkosten bis 480 Euro (Mehraufwände müssen nachgewiesen werden)

Rechenbeispiel – Elternunterhalt

Ein Alleinstehender verdient 3200 Euro netto monatlich.
Davon wird ein Selbstbehalt von 1800 Euro netto abgezogen:
Es verbleiben 1400 Euro, wovon die Hälfte (700 Euro) zusätzlich zum Selbstbehalt gerechnet wird.

Somit bleibt ein maximaler Elternunterhalt von 700 Euro netto monatlich.

Die Berechnungen sind stark vereinfacht und berücksichtigten keine Altersvorsorge Leistungen, Wohnvorteil, berufsbedingte Leistungen oder sonstige vom Einkommen abzuziehende Beiträge.