Trennungsunterhalt berechnen - Unterhalt im Trennungsjahr

Trennungsunterahlt - getrenntes Ehepaar sitzt abgewandt und traurig auf Bett

Trennungsunterhalt ist mit dem Trennungszeitpunkt (Beginn des Trennungsjahres) der Eheleute zu gewähren und zwar vor dem Hintergrund, dass mit der Trennung die ökonomische Basis für die Lebensführung beider Eheleute zerbrochen ist.

§ 1361 BGB gewährt deshalb aus dem Gedanken der gleichwohl bestehenden ehelichen Bindung dem wirtschaftlich schwächeren Ehegatten einen Anspruch auf Trennungsunterhalt in der Übergangszeit bis zur rechtskräftigen Scheidung zu.

Das Wichtigste in Kürze

Wann hat man Anspruch auf Trennungsunterhalt?

Ist ein Ehepartner in der Zeit der Trennung nicht in der Lage, für seinen Lebensunterhalt aufzukommen oder den annähernden Lebensstandard, der während der intakten Ehe geführt wurde, weiterhin zu halten, muss der wirtschaftlich besser gestellte Partner – sofern er leistungsfähig ist – dem schlechter gestellten Ehegatten Trennungsunterhalt zahlen.

Wie berechnet sich der Trennungsunterhalt?

Der Unterhaltspflichtige hat an dem Berechtigten 3/7 seines Nettoeinkommens bzw. 3/7 des Differenzeinkommens (wenn beide über Erwerbseinkommen verfügen) als Trennungsunterhalt zu zahlen. Mehr zur Berechnung des Trennungsunterhaltes. Nutzen Sie unseren Trennungsunterhalts-Rechner um Ansprüche zu ermitteln.

Wie lange ist Trennungsunterhalt zu zahlen?

Der Anspruch auf Trennungsunterhalt endet in der Regel mit der Scheidung oder bei im Falle eines mehr als einjährigen Zusammenlebens des Unterhaltsberechtigten mit einem neuen Partner. Nach der Scheidung besteht ggf. Anspruch auf Geschiedenenunterhalt.

Trennungsunterhalt – wie lange besteht Anspruch darauf?

Nach Maßgabe ständiger Rechtsprechung soll dem getrennt lebenden, unterhaltsbedürftigen Ehegatten mit dem Trennungsunterhalt die Möglichkeit eingeräumt werden, vor Ablauf des Trennungsjahres und nach den Umständen des Einzelfalles auch darüber hinaus, nicht erwerbsverpflichtet sein zu müssen, soweit dies auch während des Zusammenlebens (beispielsweise wegen Kindesbetreuung) der Fall war.

Zeit um das Leben neu zu ordnen

Das Trennungsjahr soll dazu dienen, sein Leben neu zu ordnen und eigenverantwortlich zu agieren. Während dieser Zeit ist Trennungsunterhalt im Rahmen der Leistungsfähigkeit des Unterhaltsverpflichteten zu gewähren.

Wann das Trennungsjahr beginnt, wie es abläuft und was zu beachten ist erfahren Sie unter Trennungsjahr – Voraussetzung zur Scheidung.

Anspruch endet mit rechtskräftiger Scheidung

Mit dem Zeitpunkt der rechtskräftigen Scheidung endet der Anspruch auf Trennungsunterhalt! 

Wann eine Scheidung rechtskräftig ist und wie so ein Scheidungsverfahren im Detail abläuft erfahren Sie unter Ablauf einer Scheidung.

Nachehelicher Unterhalt im Anschluss

Danach ist gegebenenfalls Geschiedenenunterhalt (nachehelicher Unterhalt) zu gewähren.

Was beim Geschiedenenunterhalt zu beachten ist und wann er infrage kommt erfahren Sie unter Nachehelicher Unterhalt.

Voraussetzungen für den Trennungsunterhalt

Damit Trennungsunterhalt überhaupt ein Thema ist müssen drei Bedingungen zwingend erfüllt sein.

Ehepaar hat sich getrennt

Getrennt lebend bedeutet nicht die Scheidung sondern der Zeitpunkt, mit dem sich das Paar entscheidet, getrennte Wege zu gehen. Sei es durch getrennte Wohnungen oder “Trennung von Tisch und Bett” auch innerhalb der ehelichen Wohnung (§ 1567 BGB).

Entscheidend ist, dass die gemeinsame Haushalts- und Wirtschaftsführung eingestellt wird und die Eheleute auch im Übrigen einen voneinander unabhängigen Lebenswandel führen.

Tipp: Dieser Zeitpunkt sollte unbedingt dokumentiert werden, nötigenfalls mit Dokumenten und Zeugen, da dieses Datum auch für den späteren Scheidungsantrag relevant ist.

Weiterführende Informationen zum Scheidungsantrag unter Scheidungsantrag, Familiengericht und Verfahren.

Ehepartner ist bedürftig

Bedürftigkeit entsteht dann, wenn ein Ehepartner im Trennungsjahr selbst nicht in der Lage ist, für seinen Lebensunterhalt aufzukommen oder den annähernden Lebensstandard, der während der intakten Ehe geführt wurde, weiterhin zu halten.

Entscheidend ist hier der Einkommensunterschied zwischen den getrennt lebenden Ehegatten.

Wie genau sich Bedürftigkeit definiert können Sie unter Bedürftigkeit beim Unterhalt nachlesen.

Leistungsfähigkeit des Ehegatten

Einen möglichen Unterhaltsbedarf muss der Ehegatte dem unterhaltsbedürftigen Ehegatten nur ausgleichen, wenn er leistungsfähig ist.

Das bedeutet, dass er über genügend Einkommen verfügt, um sich finanziell selbst und auch den getrennt lebenden Ehegatten zu versorgen.

Wann jemand als leistungsfähig gilt ist unter Leistungsfähigkeit beim Unterhalt erklärt.

Kein Trennungsunterhalt bei Zusammenzug mit neuem Partner

Das OLG Oldenburg hat mit Beschluss vom 16.11.2016 (Az.: 4 UF 78/16) entschieden, dass bei einem Zusammenzug mit einem neuen Partner der Unterhaltsanspruch auf Trennungsunterhalt beendet wird.

Achtung: Obwohl im Regelfall erst nach zwei Jahren davon ausgegangen wird, dass eine neue Lebensgemeinschaft als verfestigt gilt, entschied das Gericht über einen kürzeren Zeitraum von einem Jahr.

Im genannten Verfahren sah das Gericht eine Weiterzahlung des Trennungsunterhalts des Ehemannes an seine Ehefrau – die seit einem Jahr mit einem neuen Partner zusammenwohne – als unbillige Härte an. Die Richter gingen davon aus, dass keine Bedürftigkeit der Ehefrau mehr bestünde.

Zum Urteil: Kein Trennungsunterhalt beim Zusammenziehen mit neuem Partner

Trennungs- und Geschiedenenunterhalt: Unterschied

Grafik zu den zwei Arten Ehegattenunterhalt

Trennungsunterhalt Rechner

Bitte beim Unterhaltsrechner beachten: 5% berufsbedingte Ausgaben werden bereits im Rechner pauschal abgezogen. Sollten höhere berufsbedingte Kosten im Monat, Kreditraten für Schulden etc. vorhanden sein, so müssen dieses im Feld unter dem jeweiligen Einkommen eingetragen werden.

Berechnung Trennungsunterhalt

Der Unterhaltspflichtige Ehegatte hat an den Berechtigten 3/7 seines Nettoeinkommens bzw. 3/7 des Differenzeinkommens (wenn beide über Erwerbseinkommen verfügen) als Trennungsunterhalt zu zahlen.

Achtung: Allerdings darf die Unterhaltszahlung an den getrennten Ehegatten beim Unterhaltspflichtigen nicht zur Unterschreitung des Selbstbehalts in Höhe von 1.280 € (Stand: 2021) monatlich führen, da ansonsten der Unterhalt entsprechend gekürzt wird.

Einen Überblick über die aktuellen Beträge beim Selbstbehalt finden Sie unter Selbstbehalt beim Unterhalt – Eigenbedarf.

Absetzbare Beträge

Zuvor sind für berufsbedingte Aufwendungen 5% als Pauschbetrag vom Nettoeinkommen in Abzug zu bringen.

Auch sind ehebedingte Darlehnsbeträge (berücksichtigungsfähige Schulden) vom Einkommen absetzbar. Beispielhaft hierfür wären während der bestehenden Ehe aufgenommen Darlehen für eine Immobile, Kraftfahrzeug, Möbel etc.

Berechnungsbeispiel 1

Der Ehemann verfügt über ein monatliches Nettoeinkommen von 2.000 €, die Ehefrau hat keine Einkünfte, es besteht ein Kredit mit monatlichen Raten von 250 €.

Zur Ermittlung des Trennungsunterhalts ist wie folgt zu rechnen:

Monatliches Netto mit2.000 €
abzüglich 5% berufsbedingte Aufwendungen mit100 €
Zwischensumme:1.900 €
abzüglich Darlehen250 €
verbleibt ein anrechnungsfähiges Netto mit1.650 €
 
Von diesem Betrag steht der Ehefrau ein Anteil von 3/7 zu =707 €

Ergebnis: Der Ehemann muss aber nicht den vollen Unterhalt zahlen, da sein Selbstbehalt von 1.280 Euro unterschritten würde. Die Ehefrau erhält nur eine Zahlung in Höhe von 1.650 € – 1.280 € (Selbstbehalt) = 370 € anstatt 707 €.

Wichtig: Sollten unterhaltsberechtigte Kinder vorhanden sein, würde zuvor der volle Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle vor dem Trennungsunterhalt in Abzug gebracht und die Ehefrau würde unter Umständen leer ausgehen.

Berechnungsbeispiel 2

Der Ehemann verfügt über monatliche Nettoeinkünfte von 2.500€, die Ehefrau über Einkünfte von monatlich 650 € und es ist ein Darlehen mit monatlichen Raten von 250 € zu bedienen. Nun wird folgendermaßen ermittelt:

Monatliches Netto Ehemann mit2.500 €
abzüglich 5% berufsbedingte Aufwendungen mit125 €
Zwischensumme:2.375 €
abzüglich Darlehen250 €
verbleibt ein anrechnungsfähiges Netto mit2.125€
 
Monatliches Netto Ehefrau mit650 €
abzüglich 5% berufsbedingte Aufwendungen mit32,50 €
verbleibt ein anrechnungsfähiges Netto mit617,50 €

Nun ist die Differenz aus beiden anrechnungsfähigen Einkommen zu ermitteln und es ergibt sich ein Betrag von 1.507,50 € (2.125 € – 617,50 €). Von diesem Betrag stehen der Ehefrau 3/7 = 646,07 € als Trennungsunterhalt zu – die sie auch voll erhalten kann.

Ergebnis: Der Ehemann ist nach Abzug des Selbstbehaltes in Höhe von 1.280 € von 2.125 € anrechnungsfähigem Netto bis zu 845 € leistungsfähig und kann den Trennungsunterhalt in Höhe von 646,07 € voll erbringen.

Familienversicherung während der Trennung

Während der Trennung besteht neben dem Ehegattenunterhalt weiterhin unverändert die Familienversicherung für die Ehepartner (sofern mitversichert).

Eine eigene Krankenversicherung ist erst ab dem Zeitpunkt der rechtskräftigen Scheidung zu führen.

Ab diesem Zeitpunkt gehört der Ehegatte nicht mehr der Familienversicherung an, gemeinsame Kinder jedoch schon.

Zuletzt aktualisiert: 17.08.2021