Der Kinderbonus ist eine Maßnahme der Regierung, um die Auswirkungen der Corona-Krise In 2020 abzumildern. Hier wurden 300 Euro je kindergeldberechtigtes Kind beschlossen und am gestrigen Tage abgesegnet. Die Auszahlung erfolgt in zwei Monatsraten á 150 Euro – zusammen mit dem Kindergeld von der Familienkasse an den betreuenden Elternteil.


Zunächst sollte man wissen, dass es sich beim Kindergeld – und sodann auch beim Kinderbonus – um eine steuerliche Ausgleichzahlung handelt. Bei höheren Einkommen, ab etwa 86.000 Euro für verheiratete Paare mit einem Kind ist der Kinderffreibetrag günstiger, so dass Kindergeld und Kinderbonus nicht mehr zum Tragen kommen… aber dies nur am Rande. Eine Berechnung hierzu finden Sie bspw. auf jobrecht.de.

Klar ist also, dass der Kinderbonus wie das Kindergeld behandelt wird – aus Mangel einer gesetzlichen Grundlage. Da es sich unterhaltsrechtlich beim Kindergeld um Einkommen des Kindes handelt, ist dies eine durchaus interessante Konstellation, bei der deutlich wird, dass zwar das Covid-19 Konjunkturpaket helfen soll, getrennt lebende und betreuende Eltern aber nicht bedacht werden – zumindest nicht rechnerisch.

Für die unterhaltsrechtliche Begutachtung des Kinderbonus haben wir vier Konstellationen:

  • Kindesunterhalt für minderjährige Kinder
  • Kindesunterhalt für volljährige Kinder
  • Kindesunterhalt in Form eines Unterhaltstitels
  • Unterhaltsvorschuss

Diese werden nachfolgend ausgeführt

Kindesunterhalt für minderjährige Kinder

Beim Kindesunterhalt für minderjährige Kinder wird das halbe Kindergeld vom Unterhalt abgezogen. Daher gibt es auch den Unterschied zwischen der Düsseldorfer Tabelle und der Düsseldorfer Tabelle mit Zahlbeträgen. Der tatsächliche Zahlbetrag des Unterhalts nach Düsseldorfer Tabelle wird um das halbe Kindergeld (204 : 2 = 102 Euro) gekürzt. So wird sichergestellt, dass beide Elternteile etwas vom Kindergeld haben – denn das Kindergeld ist Einkommen des Kindes.

Erhöht sich nun der Kindergeldbetrag um den Kinderbonus, also in den Monaten September und Oktober um jeweils 150 Euro, reduziert sich automatisch die Unterhaltspflicht des Barunterhaltspflichtigen um 75 Euro für jeden Monat, in dem der Kinderbonus ausgezahlt wird.

Kindesunterhalt für Volljährige

Auch volljährige Kinder können Anspruch auf Unterhalt haben – bei volljährigen Kindern in Erstausbildung spricht man von privilegiert Volljährigen, die den Minderjährigen in der Rangfolge gleichgestellt sind.

Allerdings gibt es beim Kindesunterhalt für Volljährige eine andere Kindergeldanrechnung. Während bei minderjährigen Kindern der Unterhalt nur um das halbe Kindergeld vom Unterhaltsschulder gekürzt werden darf, erfolgt bei volljährigen Kindern die volle Anrechnung der Kindergeldes.

Zahlt der Unterhaltspflichtige also noch Kindesunterhalt für einen volljähriges Kind, welches kindergeldberechtigt ist, darf der Unterhalt in den Monaten, in denen der Kinderbonus ausgezahlt wird – jeweils um den gleichen Betrag – also 150 Euro monatlich gekürzt werden.

Kindesunterhalt mit Unterhaltstitel

Ein titulierter Kindesunterhalt wird prinzipiell nach den gleichen Grundsätzen (Düsseldorfer Tabelle unter Anrechnung des Kindergeldes) berechnet wie der Kindesunterhalt ohne Unterhaltstitel. Der Unterschied ist allerdings, dass ein titulierter Unterhalt zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einen Betrag festgeschrieben ist und sich nicht automatisch dynamisch nach der Düsseldorfer Tabelle ergibt, bis er abgeändert wird. Daran ändert auch die Auszahlung des Kinderbonus nichts.


Betreuenden Elternteil zur Anrechnung auffordern

Der barunterhaltspflichtige Elternteil, der den Kindesunterhalt nach einem Unterhaltstitel zahlt, darf diesen nicht einfach um den Betrag des Kinderbonus kürzen. Werden die 300 Euro in den Monaten September und Oktober 2020 zu je 150 Euro ausgezahlt, muss der unterghaltspflichtige Elternteil den betreuenden Elternteil schriftlich und nachweislich auffordern, jeweils in diesen Monaten auf 75 Euro zu verzichten.

Unterhaltsvorschuss und Kinderbonus

Zwar wird Kinderbonus wie Kindergeld angesehen und beim Unterhaltsrecht auch so behandelt, jedoch wird er beim Unterhaltsvorschuss nicht angerechnet – wie das Bundesfamilienministerium schreibt. Die Unterhaltsvorschuss Zahlungen laufen wir bisher weiter.

Keine gesetzliche Regelung zum Kinderbonus beim Unterhalt

Wie grundsätzlich mit dem Kinderbonus im Unterhaltsrecht verfahren wird, steht in keinem Gesetz – dafür ist diese Corona-Hilfe zu kurzfristig. Es lassen sich aber Parallelen ziehen zur bisherigen Verwendung eines Kinderbonus. Bereits im Jahr 2009 wurde im Rahmen des Konjunkturpaket II nach der Wirtschaftskrise ein einmaliger Kinderbonus in Höhe von 100 Euro beschlossen. Damals hatte sich die Bundesregierung dazu entschlossen, den Kinderbonus wie das Kindergeld zu behandeln, was zu einer automatischen Anrechnung des Kindergeldes auf den dynamischen Kindesunterhalt führte. Wie bereits oben erwähnt, gibt es beim Kindesunterhalt nach Unterhaltstitel eine Besonderheit im Vergleich zum dynamischen Unterhalt zu berücksichtigen.

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