Der Umgang mit ihren Kindern darf Vätern auch in der Corona-Krise nicht einfach so verwehrt werden. Verweigert ein Elternteil dem anderen sein Recht darauf, das Kind zu sehen, kann ein Bußgeld drohen, so das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt.


Der Begriff des Umgangs-oder auch Besuchsrechts beschreibt das Recht eines Kindes darauf, Kontakt mit seinen Eltern zu pflegen und andersherum. Die gesetzliche Grundlage bietet dabei § 1684 BGB. In bestimmten Fällen können auch Dritte, wie Großeltern, gemäß § 1685 BGB ein Recht auf Umgang mit einem Kind haben. Das Umgangsrecht ist dabei vom Sorgerecht zu unterscheiden.

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Gericht sichert Vater Umgangsrecht zu

Elternteile dürfen dem umgangsberechtigten Elternteil sein Recht nicht ohne Weiteres verwehren – auch nicht in der Corona-Pandemie. So urteilte das OLG Frankfurt am Main am 08. Juli 2020 (Az.: 1 WF 102/20). Hintergrund des Urteils war der Fall eines Vaters aus Hessen.

Der Mann teilte sich das Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn mit der Mutter des Kindes. Mit Beschluss des Familiengerichts im August 2018 wurde dem Vater ein regelmäßiger Umgang am Wochenende und in den Ferien zugesichert. Der Hauptwohnsitz des Kindes sollte sich bei der Mutter befinden. Bei Verstoß gegen diese Umgangsvereinbarung behielt sich das Gericht vor, ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 25.000 Euro zu verhängen.

Coronavirus: Mutter verweigert Vater den Umgang mit Kind

Im März 2020 teilte die Mutter des Kindes dem Vater mit, dass sie den Umgang bis auf Weiteres aussetze. Der Grund: Die zu befürchtende Infektionsgefahr mit dem Coronavirus. Die Mutter sei Teil der Risikogruppe und lebte in einem Mehrfamilienhaus zusammen mit ihren Eltern. Dem Vater stehe es stattdessen frei, mit dem Kind zu telefonieren oder aber vom Balkon aus zu kommunizieren.

Gericht verhängt Ordnungsgeld von 300 Euro

Daraufhin beantragte der Vater ein Ordnungsgeld von 300 Euro gegen die Mutter wegen des Verstoßes gegen die Umgangsregelung. Das wollte die Mutter jedoch nicht auf sich sitzen lassen und legte Beschwerde gegen den Beschluss ein – erfolglos.

Kontaktbeschränkungen gelten nicht für Kernfamilie

Das Gericht erklärte, dass in diesem Fall eine klare Zuwiderhandlung gegen die Umgangsregelung vorliege. Die Mutter habe dem Vater ab Mitte März bis Ende Mai den Kontakt zu seinem Kind verweigert. Dazu sei sie nicht befugt gewesen und daran ändere auch die Kontaktbeschränkungen inmitten der Corona-Pandemie nichts. Die Empfehlungen gelten nämlich nicht für die Kernfamilie:

Der Umgang zwischen dem nicht betreuenden Elternteil und dem Kind gehört zum absolut notwendigen Minimum zwischenmenschlicher Kontakte und unterfällt damit einem Ausnahmetatbestand“, ließ das Gericht verlauten.


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Corona: Sorgeberechtigte entscheiden gemeinsam über Quarantäne

Letztendlich konnte die Mutter das Gericht auch nicht durch den Verweis auf ihre Vorerkrankung überzeugen. Aus Sicht des Gerichts stehe es beiden sorgeberechtigten Elternteilen zu, über eine freiwillige Quarantäne des Kindes zu entscheiden.

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