Als Halbwaisenrente bezeichnet man die Bezüge eines Kindes, die gezahlt werden, wenn ein unterhaltspflichtiger Elternteil verstorben ist. Sie gehört zu der Hinterbliebenenrente und umfasst einen geringeren Anteil als die Waisenrente (Vollwaisenrente), die man dann bekommt, wenn beide Elternteile verstorben sind.

Wer hat Anspruch auf Halbwaisenrente?

Anspruch auf die Halbwaisenrente haben sowohl leibliche Kinder als auch Adoptivkinder.

Ebenso besteht ein Anspruch auf Halbwaisenrente für Stiefkinder und Pflegekinder, die zum Zeitpunkt des Todes des Verstorbenen mit ihm in einer Haushaltsgemeinschaft gelebt haben.

Im Einzelfall können auch dauerhaft im Haushalt des Verstorbenen lebende Enkel und Geschwister zum Kreis der Bezugsberechtigten zählen. Diese haben Anspruch auf Halbwaisenrente, wenn sie in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Verstorbenen lebten und / oder für dessen überwiegenden Unterhalt der Verstorbene aufgekommen sind.

Die Haushaltsgemeinschaft zum Zeitpunkt des Todes ist zwingende Voraussetzung für den Anspruch auf Hinterbliebenenrente, so auch die Entscheidung des SG Mainz (Az.: S 13 R 526/09).

Verstorbene hat Anwartschaftszeiten erfüllt

Eine Halbwaisenrente kann nur dann gezahlt werden, wenn der Verstorbene respektive Versicherte die allgemeine Anwartschaftszeit von fünf Jahren erfüllt hat. Bei der Berechnung der Anwartschaft werden folgende Zeiten mit einbezogen:

  • vollwertige Beitragszeiten aus Pflichtbeiträge oder freiwilligen Beiträgen
  • anrechenbare Zeiten der Kindererziehung
  • Beiträge aus geringfügigen Beschäftigungen
  • Zuschläge aus versicherungsfreier geringfügiger Beschäftigung
  • so genannte Ersatzzeiten (politische Gefangenschaft, Kriegsdienst etc.)
Ausnahme zu Anwartschaftszeiten: Eine Ausnahme bei der mindestens erfüllten Anwartschaftszeit ergibt sich, wenn es sich bei dem verstorbenen Versicherten um einen Berufsanfänger handelt oder der Tod durch einen Arbeitsunfall bzw. durch die unmittelbaren Aufgaben im Kriegs- oder Zivildienst verursacht wurde. Dann gilt die Anwartschaft bereits als erfüllt, wenn nur ein Pflichtbeitrag entrichtet worden ist.

Wie lange bekommt man Halbwaisenrente?

Der grundlegende Zeitraum des Bezuges der Waisen- bzw. Halbwaisenrente reicht bis zum 18. Geburtstag des Kindes. Der längst mögliche Zeitraum für den Bezug von Halbwaisenrente endet mit der Vollendung des 27. Lebensjahres wenn…

…nachgewiesen werden kann, dass sie das Kind zu diesem Zeitpunkt noch in der Ausbildung befindet, kann ein Antrag auf Weiterzahlung gestellt werden. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Schul- oder Berufsausbildung handelt. Die Halbwaisenrente wird auch für die Dauer eines freiwilligen ökologischen (FÖJ), freiwilligen sozialen Jahres (FSJ), Bundesfreiwilligendienst oder eines vergleichbaren freiwilligen Dienstes weitergezahlt.

Die Weiterzahlung der Halbwaisenrente wird auch dann gewährt, wenn das Kind außerstande ist, sich auf Grund einer Behinderung selbst unterhalten zu können.

Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten

Wie auch beim Kindergeld, fließen die Leistungen der Waisenrente in der Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungen (bspw. Abitur und Studium) für höchstens vier Monate weiter.

Antrag auf Halbwaisenrente

Der Antrag auf Halbwaisenrente muss unmittelbar nach der Kenntnis vom Tod des Versicherten erfolgen. Das ist deshalb wichtig, weil die Rente maximal für ein Jahr rückwirkend gezahlt werden kann.

Beim Rententräger Halbwaisenrente beantragen

Für die Halbwaisenrente muss der Antrag beim jeweiligen Rententräger gestellt werden – das kann je nach Lage die Rentenversicherung, die Berufsgenossenschaft oder die Unfallkasse des Bundes sein. In einigen großen Städten gibt es noch so genannte Versorgungsämter, die dem Antragsteller beim Ausfüllen der Unterlagen helfen. Anderenfalls sollte man sich direkt an die Mitarbeiter des jeweiligen Trägers wenden.

Rentenkonto des Verstorbenen: Bevor über einen Antrag auf Halbwaisenrente entschieden werden kann, muss das Rentenkonto des Verstorbenen geklärt sein. Ist das noch nicht geschehen, müssen spätestens jetzt die noch fehlenden Unterlagen zu den erlangten Anwartschaften beim Rententräger eingereicht werden. Diese Daten sind bei den Sozialversicherern eingearbeitet worden und man kann sie notfalls auch über die Krankenkassen erfragen und bescheinigen lassen.

Ausbildungsnachweise und ggfls. Geburtsurkunden

Zusätzlich müssen alle Ausbildungsnachweise des Verstorbenen beim Antrag auf Halbwaisenrente mit eingereicht werden, da einige Ausbildungen sich positiv auf die anrechenbaren Rentenentgeltpunkte auswirken. Handelt es sich bei den Verstorbenen um Frauen, müssen auch die Geburtsurkunden aller Kinder mit vorgelegt werden.

Download – Antrag auf Halbwaisenrente

Hier können Sie das Formular der Deutschen Rentenversicherung für die Beantragung der Halbwaisenrente  herunterladen. Entweder schicken Sie den ausgefüllten unterschriebenen Antrag per Post an Ihren zuständigen Rentenversicherungsträger oder geben diesen an einer nahegelegenen Beratungsstelle ab.

Anlage zum Antrag auf Halbwaisenrente / Vollwaisenrente

Höhe – Berechnung der Halbwaisenrente

Bei der Höhe der Waisenrente/ Halbwaisenrente ist zu berücksichtigen, ob die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder der gesetzlichen Unfallversicherung (§ 68 SGB XII) gezahlt wird. Dabei ergeben sich folgende Anteile:

Halbwaisenrente Waisenrente (Vollwaise)
Rentenversicherung 10% der zum Todeszeitpunkt erarbeiteten Rentenanspruchs des Verstorbenen zuzüglich eines individuell berechneten Zuschlags 20% der zum Todeszeitpunkt erarbeiteten Rentenanspruchs der Verstorbenen zuzüglich eines individuell berechneten Zuschlags
Unfallversicherung 20% des Jahreseinkommens des Verstorbenen (1/12 monatlich) 30% des Jahreseinkommens der Verstorbenen (1/12 monatlich)

Dabei darf die Summe aller Hinterbliebenenrenten 80 Prozent des Jahresverdienstes des Versicherten nicht übersteigen.

Einkommensanrechnung ab 01. Juli 2015 abgeschafft

Zum 01.07.2015 wurde die Einkommensanrechnung bei der Waisen- und Halbwaisenrente vollständig aufgehoben. Einkommen von volljährigen Bezugsberechtigten kann die Höhe der Rentenzahlung also nicht mehr reduzieren, unabhängig davon, wie viel der Waise/ Halbwaise verdient.

Im nächsten Abschnitt ist die Tabelle zu finden, welche die früher geltenden Rentenwerte und Freibeträge bezüglich Halbwaisenrente, unterteilt in Ost und West, aus den Jahren 2008-2015 enthält.

+++ Beginn alte, ungültige Fassung bis 30.06.2015 +++

Freibetrag auf das Einkommen bei der Halbwaisenrente

Bei der Berechnung der Halbwaisenrente wurden bis zum 30.06.2015 eigene Bezüge des hinterbliebenen Kindes nach Abzug eines monatlichen Freibetrages angerechnet. Für die Halbwaisenrente errechnete sich der Freibetrag nach § 68 SGB VIII (a. F.) aus dem 17,6-fachen des jeweils aktuellen Rentenwertes und betrug für:

gültig ab 01.07.
des Jahres
WEST OST
Rentenwert Freibetrag Rentenwert Freibetrag
2015
2014 28,61 € 503,54 € 26,39 € 464,46 €
2013 28,14 € 495,26 € 25,74 € 453,02 €
2012 28,07 € 494,03 € 24,92 € 438,59 €
2011 27,47 € 483,47 € 24,37 € 428,91 €
2010 27,20 € 478,72 € 24,13 € 424,69 €
2009
2008 26,56 € 467,26 € 23,34 € 410,78 €

Die nächste Anpassung des Rentenwertes fand zum 01.07.2016 statt.

Die Teile des Einkommens, die den Freibetrag für Halbwaisenrente überstiegen, wurden aber nicht vollständig, sondern nur zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Zu den anrechenbaren Einkommensarten zählten unter anderem:

  • Arbeitsentgelt
  • Dienstbezüge
  • Krankengeld
  • Verletztengeld
  • Mutterschaftsgeld
  • Arbeitslosengeld
  • Übergangsgeld
  • Renten aus eigenen Ansprüchen

Andere Einkommensarten durften wiederum auf die Halbwaisenrente nicht angerechnet werden. Dazu gehörten Harz IV Leistungen, Erziehungsgeld, Sozialhilfe und Wohngeld sowie Leistungen, die aus einer freiwilligen Zusatzversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung stammten.

++++ Ende alte, ungültige Fassung bis 30.06.2015 +++

Anrechnung der Halbwaisenrente auf andere Sozialleistungen

Es gibt verschiedene Sozialleistungen, die Einkommensersatzleistungen und Unterstützungen sind, auf die die Halbwaisenrente angerechnet wird, da sie rein rechtlich als vollwertiges Einkommen behandelt wird. Das betrifft vor allem:

Zusammenfassend könnte man sagen, dass die Halbwaisenrente in voller Höhe überall dort angerechnet wird, wo soziale Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes und der Sicherung des Obdachs gezahlt werden.

Halbwaisenrente und Bafög

Die Halbwaisenrente wird genauso wie die Waisenrente als vollwertiges Einkommen auf den Bafög Bedarf angerechnet (§ 21 Abs. 3 Nr. 1 BAföG).

Es besteht jedoch ein kleiner Freibetrag von 180 Euro für Auszubildende und Studenten an Hochschulen und Universitäten, deren Besuch keine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt (§ 23 Abs. 4 Nr. 1 BAföG). Für andere Auszubildende liegt der Freibetrag bei 130 Euro.

Bei Beantragung des Bafögs müssen Rentenbescheide, auf welchen die Höhe der Halbwaisenrente ersichtlich ist, dem Antrag beigefügt werden.

Halbwaisenrente und Ausbildung/Praktikum

Die Vergütung eines Pflichtpraktikums oder eines Ausbildungsverhältnisses wird ohne Freibetrag auf den Bedarf angerechnet (vgl. § 23 Abs. 3 BAföG).

Halbwaisenrente und Arbeitslosengeld II (Hartz IV)

Entgegen der Annahme vieler wird die Halbwaisenrente nach dem SGB VI als sonstiges Einkommen auf den Hartz IV Bedarf angerechnet. Bei Bezug von Halbwaisenrente wird sich somit die Höhe der Arbeitslosengeld II Zahlung verringern.

Halbwaisenrente in der Krankenversicherung und in der Steuer / Steuererklärung

Die Einkünfte aus der Halbwaisenrente unterliegen grundsätzlich der Steuerpflicht. Das heißt, dass die Halbwaisenrente in der Steuererklärung mit aufgeführt und vor dem Staat versteuert werden muss. Bei der Steuererklärung muss also die Anlage Rente immer mit ausgefüllt werden.

Dabei fließt aber nicht der volle Rentenbetrag mit in die Steuer ein, sondern immer nur der so genannte Ertragsanteil, den man sich vom Rententräger nennen lassen kann. Er ist abhängig von dem Zeitraum, der beim verstorbenen Versicherten noch bis zum Eintritt der Altersrente vergehen würde. Der so errechnete Betrag wird noch gekürzt um eine Werbungskostenpauschale.

Versicherungspflicht

Wer eine Halbwaisenrente bezieht, wird darüber in der Krankenversicherung und der Pflegeversicherung pflichtversichert. Der zu zahlende Beitrag errechnet sich aus dem tatsächlichen vom Versicherten erworbenen Rentenanspruch. Eventuell zusätzlich gezahlte Auffüllbeträge bleiben bei der Beitragsberechnung unberücksichtigt. Daraus erklärt sich auch, dass sich der Zahlbetrag im Falle einer Rentenerhöhung bei einigen Halbwaisenrentenempfängern ein wenig vermindert, weil der Anteil der beitragspflichtigen Rente steigt.

Wer eine private Krankenversicherung hat oder freiwillig gesetzlich versichert ist, der kann sich den Zuschuss des Rententrägers zur Kranken- und Pflegeversicherung auf Antrag auch mit auszahlen lassen. In diesem Falle käme der Bruttobetrag der Halbwaisenrente zuzüglich der Zuschüsse zur Auszahlung. Dem Antrag sind die Nachweise über das Bestehen einer privaten oder freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung beizufügen.

Halbwaisenrente und Erziehungsrente – Was viele nicht wissen

Wer ein halbwaisenberechtigtes Kind aus einer geschiedenen Ehe im Haushalt hat, der hat keinen Anspruch auf eine Witwenrente. Dennoch können auch in diesem Falle die erziehenden Elternteile wirtschaftlich mit abgesichert werden. Leider ist die Erziehungsrente noch sehr wenig bekannt. Sie wird für den Fall gezahlt, dass der erziehende Elternteil nicht wieder geheiratet hat und die Halbwaise unter 18 Jahre alt ist.

Die Erziehungsrente wird einkommensabhängig aus dem Rentenanspruch des erziehenden Elternteils gezahlt. Also im Zweifelsfall bei den Rententrägern immer mit anfragen, ob ein Anspruch auf Erziehungsrente besteht.

Weitere Infos zur Erziehungsrente auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung:
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/rententipp/wer_bekommt_erziehungsrente.html

Halbwaisenrente bei Heirat

Mit der Heirat eines Halbwaisen verändert sich der Status als Halbwaise nicht. Der Anspruch auf Halbwaisenrente bleibt folglich bestehen, solange alle anderen Voraussetzungen für den Anspruch erfüllt sind. Das Einkommen des Ehegatten und eigene Einkünfte werden nicht angerechnet.

Ende des Anspruches auf Halbwaisenrente

Der Anspruch auf Halbwaisenrente endet grundsätzlich mit Vollendung des 27. Lebensjahres. Bei Wehr- oder Zivildienst wird die Zahlung unterbrochen, daher kann der Rentenanspruch in diesem Fall über das vollendete 27. Lebensjahr hinausführen. Bei Tod der Waise endet die Rente mit Ende des Sterbemonats.

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Letzte Aktualisierung: 07.09.2018