Als Halbwaisenrente bezeichnet man die Bezüge eines Kindes bis höchstens zur Vollendung des 27. Lebensjahres, die gezahlt werden, wenn ein unterhaltspflichtiger Elternteil – der die Anwartschaftszeiten in der Rentenversicherung erfüllt hat –  verstorben ist. Sie gehört zu der Hinterbliebenenrente und umfasst einen geringeren Anteil als die Waisenrente (Vollwaisenrente), die man bekommt, wenn beide Elternteile verstorben sind.

Wer hat Anspruch auf Halbwaisenrente?

Anspruch auf die Halbwaisenrente haben

  • leibliche Kinder
  • Adoptivkinder

Ebenso besteht ein Anspruch auf Halbwaisenrente für

  • Stiefkinder
  • Pflegekinder

die zum Zeitpunkt des Todes des Verstorbenen mit ihm in einer Haushaltsgemeinschaft gelebt haben.

Im Einzelfall können auch dauerhaft im Haushalt des Verstorbenen lebende Enkel und Geschwister zum Kreis der Bezugsberechtigten zählen. Diese haben Anspruch auf Halbwaisenrente, wenn sie in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Verstorbenen lebten und / oder für dessen überwiegenden Unterhalt der Verstorbene aufgekommen sind.

Die Haushaltsgemeinschaft zum Zeitpunkt des Todes ist zwingende Voraussetzung für den Anspruch auf Hinterbliebenenrente, so auch die Entscheidung des SG Mainz (Az.: S 13 R 526/09).

Verstorbene hat Anwartschaftszeiten erfüllt

Eine Halbwaisenrente kann nur dann gezahlt werden, wenn der Verstorbene respektive Versicherte die allgemeine Anwartschaftszeit von fünf Jahren erfüllt hat. Bei der Berechnung der Anwartschaft werden folgende Zeiten mit einbezogen:

  • vollwertige Beitragszeiten aus Pflichtbeiträge oder freiwilligen Beiträgen
  • anrechenbare Zeiten der Kindererziehung
  • Beiträge aus geringfügigen Beschäftigungen
  • Zuschläge aus versicherungsfreier geringfügiger Beschäftigung
  • so genannte Ersatzzeiten (politische Gefangenschaft, Kriegsdienst etc.)
Ausnahme zu Anwartschaftszeiten: Eine Ausnahme bei der mindestens erfüllten Anwartschaftszeit ergibt sich, wenn es sich bei dem verstorbenen Versicherten um einen Berufsanfänger handelt oder der Tod durch einen Arbeitsunfall bzw. durch die unmittelbaren Aufgaben im Kriegs- oder Zivildienst verursacht wurde. Dann gilt die Anwartschaft bereits als erfüllt, wenn nur ein Pflichtbeitrag entrichtet worden ist.

Bezugsdauer Halbwaisenrente?

So lange wird die Waisenrente gezahlt

Der grundlegende Zeitraum des Bezuges der Waisen- bzw. Halbwaisenrente reicht für die Dauer bis zum 18. Geburtstag des Kindes.

Der längst mögliche Zeitraum für den Bezug von Halbwaisenrente endet mit der Vollendung des 27. Lebensjahres wenn…

  • nachgewiesen werden kann, dass sich das Kind zu diesem Zeitpunkt noch in der Ausbildung (Schul- oder Berufsausbildung) befindet, (die Ausbildung muss mindestes 20 Wochenstunden umfangen)
  • das Kind ein freiwilligen ökologischen (FÖJ), freiwilligen sozialen Jahres (FSJ), Bundesfreiwilligendienst oder eines vergleichbaren freiwilligen Dienstes absolviert
  • wenn sich das Kind aufgrund von geistiger, körperlicher oder psychischer Behinderung nicht in der Lage ist, selbst für seinen Lebensunterhalt zu sorgen

WICHTIG: Der Anspruch auf Halbwaisenrente endet nicht automatisch mit Abschluss der ersten Berufsausbildung. Auch wenn sich das Kind nach Abschluss der ersten Berufsausbildung in eine weitere Berufsausbildung begibt, bleibt der Anspruch auf Halbwaisente bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres bestehen. (Entscheidung des Bundessozialgerichts (BSG) vom 07.05.2019 – Az.: B 2 U 27/17 R)

Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten

Wie auch beim Kindergeld, fließen die Leistungen der Waisenrente in der Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungen (bspw. Abitur und Studium) für höchstens vier Monate weiter.

Antrag auf Halbwaisenrente

Der Antrag auf Halbwaisenrente muss unmittelbar nach der Kenntnis vom Tod des Versicherten erfolgen. Das ist deshalb wichtig, weil die Rente maximal für ein Jahr rückwirkend gezahlt werden kann.

Beim Rententräger Halbwaisenrente beantragen

Für die Halbwaisenrente muss der Antrag beim jeweiligen Rententräger gestellt werden – das kann je nach Lage die Rentenversicherung, die Berufsgenossenschaft oder die Unfallkasse des Bundes sein. In einigen großen Städten gibt es noch so genannte Versorgungsämter, die dem Antragsteller beim Ausfüllen der Unterlagen helfen. Anderenfalls sollte man sich direkt an die Mitarbeiter des jeweiligen Trägers wenden.

Rentenkonto des Verstorbenen: Bevor über einen Antrag auf Halbwaisenrente entschieden werden kann, muss das Rentenkonto des Verstorbenen geklärt sein. Ist das noch nicht geschehen, müssen spätestens jetzt die noch fehlenden Unterlagen zu den erlangten Anwartschaften beim Rententräger eingereicht werden. Diese Daten sind bei den Sozialversicherern eingearbeitet worden und man kann sie notfalls auch über die Krankenkassen erfragen und bescheinigen lassen.

Ausbildungsnachweise und ggfls. Geburtsurkunden

Zusätzlich müssen alle Ausbildungsnachweise des Verstorbenen beim Antrag auf Halbwaisenrente mit eingereicht werden, da einige Ausbildungen sich positiv auf die anrechenbaren Rentenentgeltpunkte auswirken. Handelt es sich bei den Verstorbenen um Frauen, müssen auch die Geburtsurkunden aller Kinder mit vorgelegt werden.

Download – Antrag auf Halbwaisenrente

Hier können Sie das Formular der Deutschen Rentenversicherung für die Beantragung der Halbwaisenrente  herunterladen. Entweder schicken Sie den ausgefüllten unterschriebenen Antrag per Post an Ihren zuständigen Rentenversicherungsträger oder geben diesen an einer nahegelegenen Beratungsstelle ab.

Anlage zum Antrag auf Halbwaisenrente / Vollwaisenrente

Höhe – Berechnung der Halbwaisenrente

Bei der Höhe der Waisenrente/ Halbwaisenrente ist zu berücksichtigen, ob die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder der gesetzlichen Unfallversicherung (§ 68 SGB XII) gezahlt wird. Dabei ergeben sich folgende Anteile:

Halbwaisenrente Waisenrente (Vollwaise)
Rentenversicherung 10% der zum Todeszeitpunkt erarbeiteten Rentenanspruchs des Verstorbenen zuzüglich eines individuell berechneten Zuschlags 20% der zum Todeszeitpunkt erarbeiteten Rentenanspruchs der Verstorbenen zuzüglich eines individuell berechneten Zuschlags
Unfallversicherung 20% des Jahreseinkommens des Verstorbenen (1/12 monatlich) 30% des Jahreseinkommens der Verstorbenen (1/12 monatlich)

Beispiel: Hatte sich der verstorbene Versicherte zu Lebzeiten einen monatlichen Rentenanspruch von 1.100 Euro erarbeitet, so betrüge die Halbwaisenrente mindestens 110 Euro monatlich – zuzüglich eines persönlichen Zuschlags für die Beitragszeiten von etwa 85 Euro, so dass mit einer Halbwaisenrente in Höhe von fast 200 Euro monatlich gerechnet werden könnte. Bei einer Vollwaisenrente würde sich der Betrag entsprechend verdoppeln.

Eine genaue Berechnung kann allerdings nur der Rententräger anstellen, da hier monatsgenau die Beitragszeiten ermittelt werden müssen.

Dabei darf die Summe aller Hinterbliebenenrenten 80 Prozent des Jahresverdienstes des Versicherten nicht übersteigen.

Einkommensanrechnung abgeschafft

Zum 01.07.2015 wurde die Einkommensanrechnung bei der Waisen- und Halbwaisenrente vollständig aufgehoben. Einkommen von volljährigen Bezugsberechtigten kann die Höhe der Rentenzahlung also nicht mehr reduzieren, unabhängig davon, wie viel der Waise/ Halbwaise verdient.

Anrechnung der Halbwaisenrente auf andere Sozialleistungen

Es gibt verschiedene Sozialleistungen, die Einkommensersatzleistungen und Unterstützungen sind, auf die die Halbwaisenrente angerechnet wird, da sie rein rechtlich als vollwertiges Einkommen behandelt wird. Das betrifft vor allem:

Zusammenfassend könnte man sagen, dass die Halbwaisenrente in voller Höhe überall dort angerechnet wird, wo soziale Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes und der Sicherung des Obdachs gezahlt werden.

Halbwaisenrente und Bafög

Die Halbwaisenrente wird genauso wie die Waisenrente als vollwertiges Einkommen auf den Bafög Bedarf angerechnet (§ 21 Abs. 3 Nr. 1 BAföG).

Es besteht jedoch ein kleiner Freibetrag von 180 Euro für Auszubildende und Studenten an Hochschulen und Universitäten, deren Besuch keine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt (§ 23 Abs. 4 Nr. 1 BAföG). Für andere Auszubildende liegt der Freibetrag bei 130 Euro.

Bei Beantragung des Bafögs müssen Rentenbescheide, auf welchen die Höhe der Halbwaisenrente ersichtlich ist, dem Antrag beigefügt werden.

Halbwaisenrente und Ausbildung/Praktikum

Die Vergütung eines Pflichtpraktikums oder eines Ausbildungsverhältnisses wird ohne Freibetrag auf den Bedarf angerechnet (vgl. § 23 Abs. 3 BAföG).

Halbwaisenrente und Arbeitslosengeld II (Hartz IV)

Entgegen der Annahme vieler wird die Halbwaisenrente nach dem SGB VI als sonstiges Einkommen auf den Hartz IV Bedarf angerechnet. Bei Bezug von Halbwaisenrente wird sich somit die Höhe der Arbeitslosengeld II Zahlung verringern.

Halbwaisenrente in der Krankenversicherung und in der Steuer / Steuererklärung

Anlage Rente in der Einkommensteuererklärung

Die Einkünfte aus der Halbwaisenrente unterliegen grundsätzlich der Steuerpflicht. Das heißt, dass die Halbwaisenrente in der Steuererklärung mit aufgeführt und vor dem Staat versteuert werden muss. Bei der Steuererklärung muss also die Anlage Rente immer mit ausgefüllt werden.

Dabei fließt aber nicht der volle Rentenbetrag mit in die Steuer ein, sondern immer nur der so genannte Ertragsanteil, den man sich vom Rententräger nennen lassen kann. Er ist abhängig von dem Zeitraum, der beim verstorbenen Versicherten noch bis zum Eintritt der Altersrente vergehen würde. Der so errechnete Betrag wird noch gekürzt um eine Werbungskostenpauschale.

Versicherungspflicht

Wer eine Halbwaisenrente bezieht, wird darüber in der Krankenversicherung und der Pflegeversicherung pflichtversichert. Eine Beitragspflicht ist allerdings zum 01.01.2017 aufgehoben worden, so dass Waisenrentner beitragsfrei versichert sind.

Wer eine private Krankenversicherung hat oder freiwillig gesetzlich versichert ist, der kann sich den Zuschuss des Rententrägers zur Kranken- und Pflegeversicherung auf Antrag auch mit auszahlen lassen. In diesem Falle käme der Bruttobetrag der Halbwaisenrente zuzüglich der Zuschüsse zur Auszahlung. Dem Antrag sind die Nachweise über das Bestehen einer privaten oder freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung beizufügen.

Halbwaisenrente und Erziehungsrente – Was viele nicht wissen

Wer ein halbwaisenberechtigtes Kind aus einer geschiedenen Ehe im Haushalt hat, der hat keinen Anspruch auf eine Witwenrente. Dennoch können auch in diesem Falle die erziehenden Elternteile wirtschaftlich mit abgesichert werden. Leider ist die Erziehungsrente noch sehr wenig bekannt. Sie wird für den Fall gezahlt, dass der erziehende Elternteil nicht wieder geheiratet hat und die Halbwaise unter 18 Jahre alt ist.

Die Erziehungsrente wird einkommensabhängig aus dem Rentenanspruch des erziehenden Elternteils gezahlt. Also im Zweifelsfall bei den Rententrägern immer mit anfragen, ob ein Anspruch auf Erziehungsrente besteht.

Weitere Infos zur Erziehungsrente auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung:
https://www.deutsche-rentenversicherung.de

Halbwaisenrente bei Heirat

Mit der Heirat eines Halbwaisen verändert sich der Status als Halbwaise nicht. Der Anspruch auf Halbwaisenrente bleibt folglich bestehen, solange alle anderen Voraussetzungen für den Anspruch erfüllt sind. Das Einkommen des Ehegatten und eigene Einkünfte werden nicht angerechnet.

Ende des Anspruches auf Halbwaisenrente

Der Anspruch auf Halbwaisenrente endet grundsätzlich mit Vollendung des 27. Lebensjahres. Bei Tod der Waise endet die Rente mit Ende des Sterbemonats.

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Letzte Aktualisierung: 14.08.2019