Die Heirat bringt auch steuerliche Vorteile mit sich, darunter die gemeinsame Veranlagung in der Einkommensteuer. Sind die Einkommen der Eheleute in der intakten Ehe relativ gleich, nutzen beide Ehegatten die Steuerklassen IV/ IV (was nach der Eheschließung automatisch gilt). Verdient ein Ehegatte deutlich mehr als der andere, beispielsweise da die Mutter sich um die Kinder kümmert, wird auch häufig auf das Steuerklassenmodell III/ V zurückgegriffen. Der Partner mit dem höheren Einkommen nimmt die Steuerklasse III und der andere V – was zu einer erheblich günstigeren Lohnsteuer in der monatlichen Gehaltsabrechnung bei dem Partner mit Steuerklasse III führt. 

Doch was passiert mit den Steuerklassen, wenn die Eheleute sich dazu entschließen, sich (auch räumlich) zu trennen? Spätestens mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem sich das Paar getrennt hat, entfällt der Anspruch auf die gemeinsame Veranlagung und somit auch die Steuervorteile einer Ehe – unabhängig der rechtskräftigen Scheidung.

Trennung ist auschlaggebend

Entgegen der weitläufigen Meinung, dass die Steuerklasse erst mit rechtskräftiger Scheidung gewechselt werden muss, ist schon die Trennung steuerrelevant. Ausgehend vom Trennungsdatum muss die Steuerklasse im darauffolgenden Jahr zwingend gewechselt werden.

Steuerklassen

Die Steuerklasse orientiert sich maßgeblich am Familienstand. Diese Steuerklassen gibt es in Deutschland:

Steuerklasse I: Ledige Erwerbstätige

Steuerklasse II: Alleinerziehende Erwerbstätige, die Kindergeld erhalten

Steuerklasse III:

  • Verheiratete Erwerbstätige, deren Ehepartner keinen Arbeitslohn bezieht oder in Steuerklasse V fällt,
  • Verheiratete Erwerbstätige, deren Ehegatte in einem EU-Land lebt,
  • Verwitwete Erwerbstätige im ersten Kalenderjahr nach dem Tod des Ehepartners

Steuerklasse IV: Verheiratete und zusammenlebende Ehepartner, die beide Steuerklasse IV beziehen

Steuerklasse V: Verheiratete, wenn der andere Ehepartner in Steuerklasse III fällt

Steuerklasse VI: Alleinstehende und Verheiratete, die einem Zweitjob nachgehen

Tipp: Die Steuerklasse kann nur ein mal im Jahr gewechselt werden. Die entsprechende Änderung gilt dann ab dem Monat, der dem Antrag auf Steuerklassernwechsel folgt.

Wann muss die Steuerklasse gewechselt werden?

Nach einer Trennung muss die Steuerklasse spätestens bis zum Steuerjahr, das auf das Kalenderjahr der Trennung folgt, gewechselt werden. Häufig ist dann das familienrechtliche Trennungsjahr noch nicht vorbei und die Scheidung noch nicht rechtskräftig.

In Bezug auf die Steuerklasse sind diese Umstände jedoch unerheblich, da es hierbei nur darauf ankommt, ob die Ehepartner noch zusammenleben. Sobald die Ehepartner nicht mehr zusammenwohnen, erfährt das Finanzamt davon (z.B. von der Meldebehörde) und wird die Eheleute auf einen Wechsel der Steuerklasse hinweisen, da sie nicht mehr als “verheiratet” sondern “dauernd getrenntlebend” gelten.

Nach Ablauf des Kalenderjahres der Trennung erhalten beide Partner Steuerklasse I bzw. Steuerklasse II (der Ehepartner, bei dem Kinder leben).

Beispiel: Die Eheleute haben sich zum 20.01.2019 getrennt. Steuerklassenwechsel muss bis zum 01.01.2020 durchgeführt werden. Auch wenn sich die Eheleute am 30.12.2019 trennen würden, müsste die Steuerklasse zum 01.01.2020 gewechselt werden.

Wenn sich die Ehepartner also Anfang des Jahres trennen, können sie länger von günstigen Steuerklassen profitieren. Nach der dauerhaften Trennung sind die Ehepartner wieder den Steuerklassen I bzw. II zuzuordnen. Erfolgt der Steuerklassenwechsel nicht rechtzeitig, kann es zu Rückzahlungsforderung seitens des Finanzamts kommen.

Aber: Der Wechsel der Steuerklasse erfolgt nach einer Scheidung NICHT automatisch. Er muss gegenüber dem Finanzamt erklärt werden. Dies kann über ein Onlineformular auf den Webseiten von Finanzämtern geschehen.

Tipp: Wenn die Steuerklassen geändert werden, ändert sich automatisch das Nettogehalt. In diesem Fall sollte unbedingt der Unterhalt neu berechnet werden!

Getrennte Veranlagung statt Zusammenveranlagung

Die Änderung der Steuerklassen ist wichtig, da durch die Trennung auch der Anspruch auf die Zusammenveranlagung von Ehegatten entfällt und stattdessen jeder Ehegatte die getrennte Veranlagung bei der Steuererklärung vornehmen muss. Nehmen die Noch-Eheleute eine solche Änderung nicht vor, und veranlagen ihre Steuer weiterhin unberechtigt zusammen, kann hier durchaus der Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt werden, da die Zusammenveranlagung deutliche Steuervorteile bietet

Tipp: Wenn man gegenüber dem Finanzamt glaubhaft macht, dass die Ehe trotz getrennter Wohnungen weiter aufrechterhalten wird (z.B. durch gemeinsamen Urlaub, Unternehmungen etc.), ist eine gemeinsame Steuerveranlagung weiterhin möglich.
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