Eine Ehe kann vor Ablauf des vorgeschriebenen Trennungsjahres geschieden werden, wenn einer der Ehepartner anhaltend gewalttätig ist. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Oldenburg greift in diesem Fall die Härtefallregel

Frau erleidet Anfall nach Angriff durch Ehemann

Verhandelt wurde der Fall eines Ehepaares, bei dem die Frau nach 26 Jahren die Scheidung eingereicht hatte – das Paar hatte sich im September 2017 getrennt. Die erwachsenen Kinder hätten vor Gericht ausgesagt, dass der Vater häufig aggressiv und gewalttätig geworden wäre. Er habe sich häufig wie ein „Pascha“ aufgeführt. Zuletzt habe er die Mutter aufs gröbste beschimpft und brutal geschüttelt. Daraufhin habe die Frau einen Krisenanfall erlitten und sei mit dem Rettungswagen abgeholt worden.

Richter: Erfüllung des Trennungsjahres nicht zumutbar

Die Richter seien davon überzeugt gewesen, dass die Frau „psychisch kaputt“ gemacht worden sei und sahen in der Gewaltsituation eine „unzumutbare Härte“. Bei Gewaltehen dieser Art sei es typisch, dass Demütigungen jahrelang ausgehalten würden, bis dies an einem gewissen Punkt nicht mehr gelinge. Der Frau sei aufgrund der Gewalt ein weiteres Zusammenleben mit dem Ehemann und damit ein Festhalten an der Erfüllung des Trennungsjahres nicht zuzumuten.

Die Ehe wurde fünf Monate nach dem Trennungszeitpunkt und vor Ablauf des Trennungsjahres geschieden.

Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg, 26.04.2018, Az. 4 UF 44/18

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